Grindr gibt Nutzer-Angaben zum HIV-Status an Fremdfirmen weiter

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Ein weiterer Datenskandal belastet die Dating-App – die die Weitergabe von Daten zum HIV-Status stoppen will, sich aber nur bedingt einsichtig zeigt.

Grindr gibt Nutzer-Angaben zum HIV-Status an Fremdfirmen weiter

Die schwule Dating-App Grindr steht erneut wegen des Umgangs mit den Daten ihrer Nutzer in Kritik: Am Sonntagabend deutscher Zeit berichtete der schwedische Sender SVT und das amerikanische Portal Buzzfeed über eine Entdeckung des norwegischen Forschungsinstituts Sintef. Das hatte herausgefunden, dass die Firma Nutzerdaten mit den Firmen Apptimize und Localytics teilt.

Diese bieten Grindr technische Dienstleistungen wie Statistiken zur Nutzung der Apps. Eine entsprechende Weitergabe von Daten ist nicht unüblich, allerdings übergab die Dating-App die Daten unanonymisiert und miteinander verbunden: Die Fremdfirmen konnten so etwa die sensible Angabe zum HIV-Status, die Nutzer in der App freiwillig machen können, mit Profildaten verknüpfen.

Neben Daten zum HIV-Status und Datum des letzten HIV-Tests erhielten die Firmen gemeinsam auch die GPS-Koordinaten, die Telefon-ID und E-Mail-Adressen der betroffenen Nutzer. "Der HIV-Status ist mit all den anderen Informationen verknüft. Das ist das Hauptproblem", sagte Antoine Pultier von Sintef gegenüber Buzzfeed. "Ich glaube, das zeigt einfach die Inkompetenz mancher Entwickler, die einfach alles weitergeben, inklusive dem HIV-Status."

Weiter unverschlüsselte Datenweitergabe

Ebenfalls problematisch: Die Weitergabe der Daten erfolgt direkt durch die Apps der Nutzer. Wie ein Überblick der norwegischen Forscher zeigt, gibt Grindr automatisch einzelne Daten an etliche Firmen weiter, darunter Werbenetzwerke, Google und Facebook. Einige der Tracker arbeiteten dabei weiter über eine unverschlüsselte Verbindung. Das ermögliche "Menschen, Firmen oder Regierungen" in einem Netzwerk "mitzuhören, wer Grindr nutzt, wo sie sich präzise zu welcher Zeit eines Tages befinden, wie sie aussehen, was sie mögen", so Sintef.


 Die norwegischen Forscher hatten analysiert, welche Daten die Grindr-App sendet

Das setze die Nutzer etlichen Risiken aus, beklagen die Forscher, gerade in Ländern, in denen Homosexualität stigmatisiert oder kriminalisiert wird. Dabei sei die Weitergabe mancher Daten, wie die des HIV-Status, zu analytischen Zwecken einfach "unnötig".

Grindr: Kritik unverhältnismäßig

Die Dating-App stand immer wieder wegen unsensiblen Umgangs mit Nutzerdaten in Kritik. Grindr hat inzwischen mit mehreren – teils uneinsichtigen – Stellungnahmen gegenüber Medien reagiert. So sagte der Sicherheitsbeauftragte Bryce Case, der HIV-Status sei ausdrücklich nur mit zwei spezifischen analytischen Firmen geteilt worden, jeweils über sichere Verbindungen. Die Firmen seien vertraglich verpflichtet, die Daten nicht weiterzugeben. Die Angaben zum HIV-Status seien zudem freiwillig und zugleich auch über die App sichtbar.

 

Quelle: Queer.de

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Tags: Grinder, Dating, LGBT,