Costa Rica: Befürworter von LGBTI-Rechten wird Präsident

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Carlos Alvarado konnte sich mit rund 60 Prozent der Stimmen überraschend deutlich gegen seinen evangelikalen Konkurrenten durchsetzen. Der Wahlkampf war geprägt vom Streit um die Ehe für alle.

Costa Rica: Befürworter von LGBTI-Rechten wird Präsident

Bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Costa Rica am Sonntag hat sich der Mitte-Links-Kandidat Carlos Alvarado Quesada überraschend deutlich gegen seinen rechtskonservativen Konkurrenten Fabricio Alvarado Muñoz durchgesetzt. Der 38-jährige Kandidat der Regierungspartei PAC, der im ersten Wahlgang 22 Prozent schaffte, holte rund 61 Prozent der Stimmen, sein evangelikaler Konkurrent kam auf 39 Prozent – er war in der ersten Runde noch Sieger und lag in Umfragen zur zweiten Runde knapp vorne (queer.de berichtete).

Der Wahlkampf war überraschend geprägt von Themen wie LGBTI-Rechte und Abtreibung – zunächst ging es zulasten der Regierungsparteien um Wirtschaftsthemen, Korruption und eine hohe Verbrechensrate, bis im Januar der in Costa Rica beheimatete Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte auf eine Vorlage des Landes hin empfohlen hatte, das Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare aufzuheben und auch rechtliche Verbesserungen für Transpersonen zu schaffen (queer.de berichtete). Das hatte die Kandidatur des erzkonservativen Alvarado Muñoz beflügelt, der zuvor in Umfragen keine große Rolle spielte.

 
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Der 43-Jährige, der bislang als einziger Abgeordneter einer evangelikal-konservativen Kleinpartei im nationalen Parlament gesessen hatte, versprach einen Einsatz für "traditionelle Werte", einen Ausstieg aus der Amerikanischen Menschenrechtskonvention und eine Nicht-Umsetzung der Ehe-Öffnung. Der Prediger einer evangelikalen Freikirche wollte auch den Zugang von Frauen zu Abtreibungen einschränken. Bei der Wahl zum Parlament, die am 4. Februar zeitgleich zur ersten Runde der Präsidentschaftswahl stattfand, hatte seine "National Restoration Party" mit fast 25 Prozent der Stimmen den Spitzenplatz geholt.

Sieg für die "Power of Love"

Der ehemalige Arbeitsminister Carlos Alvarado konnte dagegen durch die Unterstützung der Ehe für alle und eine Betonung liberaler Werte in den letzten Wochen an Zustimmung gewinnen. Er verspreche "eine Regierung für alle, in Gleichheit und Freiheit für eine wohlhabendere Zukunft", sagte der Romanautor und Hobby-Musiker nach seinem Wahlsieg. "Es gibt viel mehr, das uns vereint, als uns trennt." Auf Twitter schrieb er: "Unser Wahlkampf hat die Stärke der Liebe gezeigt."


 Fabricio Alvarado hätte sein Land fast in die Vergangenheit führen können

In seinem Wahlkampfabschluss hatte Alvarado seinem Namensvetter deutlich Homophobie vorgeworfen und vor einer Spaltung des Landes gewarnt. "Trotz großer Fortschritte ist die Homophobie immer noch stark", sagt er in einem ARD-Interview. "Konservative politische Kreise haben Angst und Desinformation verschärft und dadurch polarisiert." Von den rund 5 Millionen Einwohnern sind rund 60 Prozent Anhänger der römisch-katholischen Staatsreligion; gerade auf dem Land herrschen noch konservative Ansichten vor. Die politische Folge: Bisher gibt es in Costa Rica unter anderem nur Lebenspartnerschaften für homo- und heterosexuelle Paare mit eingeschränkten Rechten im Vergleich zur Ehe.

Insgesamt hatten sich 13 Kandidaten um die Nachfolge von Staatschef Luis Guillermo Solís beworben, der aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht erneut zur Wahl antreten durfte. Der neue Präsident muss mit einem Parlament mit sieben Parteien arbeiten und steht nur der drittgrößten Fraktion vor. Von der Bildung der nächsten Koalition dürfte abhängen, wieviele Fortschritte er wirklich durchsetzen kann. In Lateinamerika stehen in diesem Jahr mehrere weitere Wahlen an, in denen Verbesserungen bei LGBTI-Rechten und eine Gegenbewegung eine Rolle spielen könnten. (nb)

 

Quelle: www.queer.de

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