Ukraine: Unbekannte stürmen LGBTI-Zentrum

Erneut ein offensichtlich homophob motivierter Zwischenfall in der Ukraine: Mit Gasmasken vermummte Täter verwüsteten ein LGBTI-Zentrum im Osten des Landes.

 Einer der Täter beim Eindringen in das LGBTI-Zentrum (Bild: Polizei Charkiw)

 

Die Polizei der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw fahndet nach mehreren Personen, die am Mittwochabend gegen 20.40 Uhr in das Büro der LGBTI-Organisation PrideHub eindrangen, dort randalierten und Möbel beschädigten. Die Täter, die Gasmasken auf dem Kopf trugen, warfen unter anderem eine Rauchbombe und versprühten Gas. Laut den LGBTI-Aktivisten waren zu diesem Zeitpunkt zehn Leute in einem Zimmer, in dem ein Sprachkurs veranstaltet worden sei. Alle Personen hätten auf die Straße fliehen können und seien daher unverletzt geblieben.

Nun ermittele die Polizei wegen Rowdytums, teilte die Behörde auf ihrer Website mit. Man habe eine kleine Granate und zwei Gaspatronen sichergestellt, die nun von Experten untersucht würden. Die Polizei veröffentlichte Bilder und ein Video, die unter anderem die maskierten Eindringlinge zeigten.

Direktlink | Die Polizei veröffentlichte dieses Video zum Überfall: Darin ist zu sehen, wie mindestens acht Täter in das Zentrum eindringen
 

 

In der Ukraine gibt es immer wieder homophobe Zwischenfälle: So verhinderte im Mai ein Mob in der Stadt Czernowitz ein queeres Festival. Erst vergangenes Wochenende schlugen zehn mutmaßliche Homo-Hasser in der Großstadt Kryvyi Rih im Osten des Landes den bekannten Aktivisten Boris Solotschenko zusammen, der dabei leicht verletzt wurde, wie die LGBTI-Organisation GAU mitteilte. Solotschenko warf der Polizei vor, seinen Fall nicht ernst genommen zu haben.

Boris Solotschenko nach dem Übergriff

 

Die politisch Richtung Westen strebende Ukraine wird immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen gegen ethnische Minderheiten und LGBTI kritisiert. Im vergangenen Jahr beklagte etwa die Europarats-Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) in einem ausführlichen Bericht Übergriffe gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten. Vorurteile gegen diese Gruppen seien in der Bevölkerung noch weit verbreitet. So glaubten etwa laut einer Umfrage aus dem Jahr 2013 zwei Drittel der Ukrainer, dass Homosexualität eine "Perversion" sei. Als Konsequenz wurde im Bericht des Europarats unter anderem gefordert, dass die Ukraine in ihrem Strafgesetzbuch ausdrücklich strafverschärfend berücksichtigen müsse, wenn Taten aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität einer Person begangen werden.


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