Missbrauch vertuscht: Papst weist Rücktrittsgesuch von Kardinal zurück

Der französische Kardinal Barbarin hat Berufung angekündigt, für Franziskus gilt die Unschuldsvermutung

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Erzbistum LyonBild: Erzbistum Lyon

 

Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch von Kardinal Philippe Barbarin nicht angenommen. Peynart ist Erzbischof von Lyon und damit der ranghöchste katholische Geistliche Frankreichs. Er war in erster Instanz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er Missbrauch durch einen Priester vertuscht haben soll.

Zeugen haben den Kardinal stark belastet, er will nur Gerüchte gehört haben

So hat ihn das Gericht in Lyon letzte Woche überraschend zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Während der Gerichtsverhandlung haben mehrere Opfer den Kardinal stark belastet. Das Gericht sah es deshalb als erwiesen an, dass er Missbrauchsverdächtigungen an Jugendlichen nicht angezeigt hat. Das ist in Frankreich strafbar. Barbarins Anwälte haben angekündigt, in Berufung gehen zu wollen. Das Urteil ist deshalb nicht rechtskräftig.

Barbarin hat die Vorwürfe vor Gericht relativiert. Er erklärte, dass er zunächst nur „Gerüchte“ über den Priester Bernard Preynat gehört hatte. Dier soll bis zu 70 Burschen missbraucht haben, das Verfahren gegen ihn soll noch dieses Jahr stattfinden. Erst 2014 habe er von Vorfällen erfahren, als ein mutmaßliches Opfer ihn kontaktierte. Barbarin bezeichnete diese Informationen aber als „vage“. Er hat dem Pfarrer erst 2015 den Umgang mit Jugendlichen verboten und seines Amtes enthoben.

Nach dem Schuldspruch hat Barbarin beim Papst seinen Rücktritt eingereicht – doch der wurde nicht angenommen

Der Kardinal hatte nach dem Schuldspruch angekündigt, beim Papst ein Rücktrittsgesuch einzureichen. Am Montag hatte er Franziskus zu einer Privataudienz getroffen. Über deren Inhalt und Ergebnisse wurde aber zunächst nichts bekannt.

Heute hieß es in einer Erklärung von Barbarin, aufgrund der Unschuldsvermutung habe der Papst den Rücktritt des Kardinals nicht angenommen. Allerdings hat sich der Erzbischof von Lyon entschieden, sich für eine Zeit zurückzuziehen, ergänzte Vatikan-Sprecher Alessandro Gisotti. Während dieser Zeit werde der Generalvikar die Diözese leiten.

Neben Barbarin standen noch fünf weitere ehemalige Mitarbeiter der Diözese vor Gericht. Zehn Mitglieder, ehemalige Pfadfinder und mutmaßliche Missbrauchsopfer von Preynat, traten als Nebenkläger auf.

 

Quelle: ggg.at / red