TeenSTAR: Kein Verbot für umstrittene Kurse an Schulen

[Update] TeenSTAR: Kein Verbot für umstrittene Kurse an Schulen

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Bild: premiumPIX

Der christlich-fundamentalistische Verein TeenSTAR darf sein Angebot an Sexualkundeschulungen weiterhin an österreichischen Schulen anbieten. Das geht aus einer Stellungnahme des Bildungsministeriums hervor, die GGG.at vorliegt. Der Verein war unter anderem in die Kritik geraten, weil in den Kursen Inhalte vermittelt wurden, die wissenschaftlich nicht haltbar waren. So wurde Homosexualität als Störung bezeichnet, die auch geheilt werden könne, Masturbation sei eine Folge von Ich-Bezogenheit.

HOSI Salzburg übergab dem Ministerium die brisanten Schulungsunterlagen zur Prüfung

Die HOSI Salzburg hat vor einem halben Jahr die Schulungsunterlagen von TeenSTAR zugespielt bekommen und an das Bildungsministerium weitergeleitet. Wenige Wochen danach, nachdem über diese Unterlagen berichtet wurde, kündigte das Ministerium zunächst an, TeenSTAR die Tätigkeit an österreichischen Schulen vorerst zu verbieten.

Doch schon am nächsten Tag relativierte das Ministerium seine Ankündigung. Stattdessen sollte es bis Weihnachten 2018 einen Erlass in diesem Fall geben. Aber auch der ließ auch im neuen Jahr auf sich warten. Aus dem Ministerium hieß es nur, die im Ministerium angesiedelte Koordinationsstelle für Gesundheitsförderung habe die überarbeiteten Unterlagen von TeenSTAR geprüft.

Das Ministerium konnte bei TeenSTAR „keinerlei Hinweise“ finden – doch hatte sie die richtigen Unterlagen?

Nun gibt es allerdings ein Ergebnis dieser Prüfung – und das dürfte den Kritikern des christlich-fundamentalistischen Vereins nicht gefallen: „Bei dieser Überprüfung konnten keinerlei Hinweise gefunden werden, die die medial kolportierten Vorwürfe bekräftigt hätten. Von dem Verein wurde uns auch glaubhaft versichert, dass genauestens darauf geachtet wird, damit in Zukunft keine fachlich falschen oder diskriminierenden Inhalten vermittelt werden“, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Bildungsministerium, die GGG.at vorliegt.

Allerdings könnte TeenSTAR dem Bildungsministerium die für die Öffentlichkeit bestimmten Unterlagen vorgelegt haben, die in Ton und Inhalt deutlich milder sind – während der HOSI Salzburg die internen Schulungsunterlagen zugespielt wurden. Diese bezeichnen unter anderem Homosexualität als „Identitätsproblem“. Eine Änderung der sexuellen Orientierung sei diesen Unterlagen zufolge möglich – „oft durch eine Kombination von Therapie, speziellen Selbsthilfegruppen und geschulter Seelsorge“ .

„Es sind diese internen Schulungsunterlagen, die wir dem Bildungsministerium zur Überprüfung vorgelegt haben“, betont Paul Haller, Geschäftsführer der HOSI Salzburg: „Wir verlangen jetzt eine Offenlegung über die Ergebnisse und die Art der Prüfung. Aus unserer Sicht steht fest: Die internen Schulungsunterlagen sind weder mit dem Grundsatzerlass ‚Sexualpädagogik‘ und dem Grundsatzerlass ‚Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung‘ noch mit dem Indoktrinationsverbot an Schulen in Einklang zu bringen.“

Die HOSI Salzburg will nicht aufgeben: „Es geht um die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“

Die HOSI Salzburg verlangt außerdem, dass auch geprüft wird, ob die internen Schulungsunterlangen gegen die Kinderrechtskonvention verstoßen, insbesondere auf das Recht auf ein Aufwachsen ohne Gewalt. “Wir werden uns weiterhin öffentlich zu Wort melden, wenn Bildungsminister Faßmann seiner Pflicht nicht nachkommt. Es geht hier um nicht weniger als die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“, gibt sich Haller betont kämpferisch.

TeenSTAR soll nach Informationen der HOSI Salzburg in den letzten Monaten massive Lobbyarbeit betrieben haben, darunter auch durch einen namhaften ehemaligen FPÖ-Politiker. Diese Arbeit dürfte nun Früchte getragen haben. „Das bedeutet, dass dieser Verein weiterhin unter Duldung des Bildungsministerium die sexuelle Selbstbestimmtheit von Mädchen und Frauen in Frage stellen und Homosexualität als Störung darstellen darf“, so NEOS-Bildungssprecher Douglas Hoyos in einer Presseaussendung.

Das Ministerium schiebt die Verantwortung an die Schulen und Lehrer ab

Man sehe „die Schulleitungen sowie die Lehrerinnen und Lehrer in der Verantwortung“, heißt es aus dem Ministerium: Diese sollten bei allen Unterrichtsstunden, die von außerschulischen Organisationen gestaltet werden, in der Klasse bleiben. Bereits im November hatte der Verein die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, die Unterlagen zum Thema Homosexualität würden überarbeitet.

 „Man kann sich dem Eindruck schwer erwehren, dass der Minister die Verantwortung für den Umgang mit diesen und ähnlichen Inhalten auf die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulen und die Bildungsdirektionen abwälzt“, ärgert sich SPÖ-Gleichstellungssprecher und SoHo-Vorsitzender Mario Lindner.

Lindner und Hoyos haben bereits vor dem Bekanntwerden des Überprüfungs-Ergebnisses eine erneute parlamentarische Anfrage an Bildungsminister Heinz Faßmann zur Causa TeenSTAR an. Auf das Ergebnis darf man wohl gespannt sein.

 

Quelle: queer.de / red