Rechts-Propaganda David Berger kämpft mit Neofaschisten gegen LGBTI-Rechte

In einem Interview mit dem "Hausblatt" der rechtsextremen Partei und Bewegung "CasaPound Italia" betreibt der Theologe unter anderem bewusste Volksverhetzung gegen Regenbogenfamilen.

David Berger auf einer Veranstaltung 2012 und Selbstdarstellung von Valerio Benedetti auf Twitter mit Magazin "Il Primato Nazionale" und dem Parteilogo von "CasaPound" (Bild: Screenshot, nb)

 

Der schwule und immer weiter nach rechts driftende Publizist David Berger hat am Mittwoch in seinem Blog "Philosophia Perennis" unter dem Titel "Hüten wir uns vor der Auflösung des klassischen Ideals von Ehe und Familie!" ein Interview auf Deutsch veröffentlicht, das der rechtsextreme Aktivist Valerio Benedetti mit ihm für das italienische Magazin "Il Primato Nazionale" ("Nationale Vorherrschaft") geführt hat – es gilt als Hausblatt der neofaschistischen Partei und Bewegung "Casa Pound".

In dem Interview kritisiert der Theologe den vermeintlich "fanatischen Kampf für eine 'Homoehe' oder das Adoptionsrecht für Homosexuelle". An den "Vertretern der Homoehe" störe ihn, "dass sie die Homoehe aus lauter Verachtung für die klassische Ehe einführen wollen, deren Ideal ihnen verhasst ist". Dadurch erhofften sich diese "eine Auflösung des klassischen Ideals von Ehe und Familie".

Berger betont, er sei "dankbar dafür, dass ich gesund in einer solchen klassischen Familie mit Vater und Mutter aufwachsen konnte", und er wolle nicht, "dass das anderen Kindern aus ideologischen Gründen verwehrt wird". Die Betonung von "gesund" in der Aussage ist offenbar kein Zufall: "Die Zahl psychisch labiler Jugendlicher und junger Erwachsener, die in der 'queeren' Welt aufwuchsen, ist jetzt schon riesig", behauptet der ehemalige Bekämpfer von kreuz.net, das sich mit ähnlich volksverhetzenden Aussagen hervorgetan hatte.

 

Auszug aus dem Interview in deutscher Fassung aus Bergers Blog, in dem er den ehrenamtlichen und professionellen Einsatz für Bürger- und Menschenrechte und dessen Ziele diffamiert

 

In dem Interview verbreitet Berger unter anderem noch die Lüge, Täter homofeindlicher Gewalt in Deutschland seien "zu 95 % junge Männer mit muslimischem Kulturhintergrund", betreibt Legendenbildung zu seiner Entlassung als Chefredakteur des schwulen Magazins "Männer" und stellt die extrem homo- und transfeindliche AfD als Kämpfer auf der Seite von LGBTI gegen Islamisierung dar. Zudem spricht er Personen das Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung ab – auch Transsexuelle wendeten sich gegen eine "Genderideologie", die das Geschlecht nicht biologisch, sondern als "reine Kopfsache" betrachte, so Berger.

Der rechte Schulterschluss

Bei "CasaPound" handelt es sich um eine 2003 aus einer Hausbesetzung entstandene Bewegung und Kleinpartei, deren Mitglieder sich als "Faschisten des dritten Millenniums" bezeichnen und für ein in die Zukunft gerichtetes Erbe von Mussolini kämpfen wollen. In ganz Italien betreibt die Organisation über 100 teils besetzte Standorte, um die sich herum Mitglieder vermeintlich wohltätig engagieren. Anhänger organisieren zugleich teils gewalttätige Proteste, die sich gegen Migranten oder Linke richten. Mit gezielten Aktionen und moderner Ansprache wirbt man vor allem um Jugendliche.

Benedetti, der auf seinem von Berger verlinkten Twitter-Account Propaganda von "Casa Pound" und ihren Anführern teilt, gilt als ein ideologischer Kopf der Nationalisten, der auf Veranstaltungen der Bewegung auftritt, internationale Vernetzung betreibt und Bücher und Magazinbeiträge etwa zum italienischen Philosophen und Mussolini-Anhänger und -Vordenker Giovanni Gentile veröffentlicht.

 

Direktlink | Bericht vom britischen Channel 4 zu "CasaPound". Mehr Infos bietet auch die Bundeszentrale für politische Bildung

 

CasaPound ist in Europa mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Bewegungen und Parteien vernetzt, so reisten Mitglieder des NPD-Jugendverbands mehrfach nach Rom; die ebenfalls rechtsextreme Partei "Der dritte Weg", die zuletzt in Deutschland Gegenkundgebungen zu CSDs veranstaltete, veröffentlicht Interviews mit Vertretern von "CasaPound". Gute Kontakte bestehen auch zu den Magazinen "Blaue Narzisse" und "Sezession" sowie der Organisation "Ein Prozent" und der AfD-nahen, rechtsextremen und vom Verfassungsschutz beobachteten "Identitären Bewegung", die Berger bereits mehrfach bewarb. An einer Konferenz der CasaPound-Jugendorganisation "Blocco Studentesco" in Rom nahmen 2017 unter anderem "Ein Prozent"-Chef Philip Stein, ein AfD-Fraktionsmitarbeiter in Sachsen-Anhalt und ein ehemaliger Bundesvorsitzender der "Jungen Nationaldemokraten" teil.

"Philosophia Perennis" hat sich in den letzten Jahren zu einem der am meisten in sozialen Netzwerken geteilten rechten Empörungs-Blogs in Deutschland entwickelt, auch dank extremer und einseitiger Überspitzungen sowie Falschmeldungen und Hetze vor allem gegen Flüchtlinge und Muslime. AfD-Verbände und -Aktivisten tragen zur großen Verbreitung Bergers bei. Der schwule Theologe, der auch Stimmungsmachern wie RT Deutsch oder "Politically Incorrect" Interviews gibt, unterstützt in Artikeln zudem homo- und transfeindliche Bewegungen wie die "Demo für alle" und Aktivisten wie den Biologen Ulrich Kutschera, mit dem er zusammen im Kuratorium der nach Desiderius Erasmus benannten AfD-Parteistiftung sitzt.

Im letzten Sommer waren in der FAZ und in Bergers Blog nahezu zeitgleich ein anonymer Gastkommentar erschienen, in der die Ehe für alle und das Adoptionsrecht für Homo-Paare mit drastischen Worten abgelehnt wurden. Zusammen mit der Falschbehauptung, homosexuelle Paare würden Kinder häufiger sexuell missbrauchen, führte das zu einer Rüge des Presserats. Berger stritt ab, Autor des Artikels zu sein. In Italien warten die Ehe für alle und ein gemeinschaftliches Adoptionsrecht für homosexuelle Paare noch auf ihre Einführung.

 


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