Heimkino - Sohn sucht Vater – und findet Mutter

Jetzt auf DVD: Die unbekümmerte, romantische Tragikomödie "Venus" beweist, dass Geschichten über trans Menschen mehr als schicksalshaft oder ausschließlich problembehaftet sein können.

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Sid trifft erstmals ihren pubertierenden Sohn – kurz vor ihrer Transition, gerade frisch getrennt und immer noch im Konflikt mit ihren indischen Eltern (Bild: Pro-Fun Media)

 

Was will dieser kleine Junge nur von mir, fragt sich Sid schon die ganze Zeit. Also stellt sie ihn zur Rede. "Du bist mein Vater", sagt der 14-jährige Ralph zu ihr. Das weiß er, weil er im Tagebuch seiner Mutter geschnüffelt hat. Ein Schock für Sid, denn die hat eigentlich ganz andere Probleme. Ihre indische Familie weiß noch gar nicht, dass sie als Frau lebt, in drei Wochen beginnt sie, Hormone zu nehmen, und die Trennung von Daniel ist noch alles andere als überwunden. Ein pubertierender Sohn hat da gerade noch gefehlt.

Mehr als genug Konflikt-, aber auch Humorpotential für eine romantische Tragikomödie. Regisseurin und Drehbuchautorin Eisha Marjara versteht es in "Venus", sich den vielen Themen – seien es ein Coming-out als trans vor dem eigenen Kind oder die kulturell geprägten Vorstellungen, die die zweite Einwanderer-Generation nicht erfüllt – ganz ungezwungen und locker anzunähern.

Ralph ist süß und naiv, man muss ihn einfach mögen


Pro-Fun Media hat "Venus" mit deutschen Untertiteln auf DVD, zum Download und als Stream veröffentlicht

Vor allem findet sie den schmalen Grat, Sid nicht auf ihr Transsein zu reduzieren und dennoch die dadurch bedingten Konflikte geschickt und mit viel Wortwitz und Situationskomik aufzulösen. Nie macht sie sich darüber lustig, Sid wird nicht voyeuristisch pathologisiert.

So entsteht eine zwar formal und gestalterisch eher formelhafte, aber dennoch herrlich unverkrampfte, genauso lustige wie berührende Geschichte über Sid (Debargo Sanyal) und Ralph (Jamie Mayers). Die beiden harmonieren großartig miteinander, und besonders Jamie Mayers gibt einen verdammt coolen, neugierigen Teenager, der so unbekümmert damit umgeht, dass sein neu entdeckter Vater jetzt doch seine Mutter ist: "Dad ist transgender, das ist so cool", sagt er zu sich selbst. "Bist du berühmt?", will er außerdem von ihr wissen, so als wären trans Menschen grundsätzlich Fernsehstars. Sehr naiv, sehr süß – Ralph muss man einfach mögen.

Trans Geschichten sind mehr als schicksalshaft

Mit ihm entdeckt Sid eine ganz neue Lebensfreude, die auch direkt auf die Zuschauenden abfärbt. Es gibt mehr als nur einen herzerwärmenden "Aww!"-Moment, nur um ein paar Szenen später wieder nachdenklicher und auch trauriger zu werden.

Sympathische Hauptfigur: Sid wird nicht voyeuristisch pathologisiert (Bild: Pro-Fun Media)

Die aus Indien eingewanderten Eltern von Sid, allen voran ihre Mutter, tun sich zunächst schwer damit, dass Sid eine Frau ist. Als sie jedoch plötzlich einen Enkel bekommen, ändert sich alles. Da bringt die Mutter Sid sogar Nagellack mit ("Gab zwei für eins!") – so süß, aber auch ich-bezogen ist sie. Und auch die anderen Nebenfiguren verkommen nicht. Das queere Paar, bei dem Sid Rat sucht, oder die andere Mutter von Ralph, die ehemalige Highschool-Liebschaft: Sie alle sind fein gezeichnete, individuelle Figuren.

"Venus" ist endlich eine weitere unter noch viel zu wenigen queeren Komödien. Eine Komödie, die beweist, dass Geschichten über trans Menschen mehr als schicksalshaft oder ausschließlich problembehaftet sein können. Fast eine post-trans Geschichte, noch nicht perfekt – und dennoch besonders wichtig. Mehr davon bitte!

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Quelle: Queer.de / red