Online-Abstimmung Kramp-Karrenbauer zur Miss Homophobia 2018 gewählt

Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer erhält den Negativpreis von "Enough is Enough" mit deutlichem Abstand. Bis heute warnt "AKK" davor, dass die Ehe für alle zu Polygamie und Inzest führt.

Wie in den Vorjahren steuerte der Karikaturist Bernd Ertl eine Zeichung zum Homophobie-Spitzenplatz bei. Das komplette Hochkant-Motiv ist über die Lupenfunktion anzeigbar

Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ist in einer Online-Abstimmung mit über 12.000 Teilnehmern zur neuen "Miss Homophobia" gewählt worden. Auf die 56-Jährige entfielen bei der von "Enough is Enough" jährlich durchgeführten Wahl rund 45 Prozent der Stimmen, gab die Initiative am Dienstag bekannt.

Die Abstimmung hatte bereits zwischen dem 17. November und 1. Dezember stattgefunden, also wenige Tage vor der Wahl von "AKK" zur Nachfolgerin von Angela Merkel an der Parteispitze. Vorab hatten die Anhänger der vor allem bei Facebook aktiven "Enough"-Truppe Personen vorgeschlagen, die in den letzten zwölf Monaten zu LGBTI-Rechten besonders negativ auffielen. In der Endrunde entfielen auf die AfD-Vorsitzende Alice Weidel 19 Prozent der Stimmen. Der österreichische Volksmusiker Andreas Gabalier bekam 18 Prozent, Papst Franziskus und die AfD-Politikerin Nicole Höchst erzielten jeweils 9 Prozent aller Stimmen.

Entschiedene Gegnerin der Ehe für alle

Kramp-Karrenbauer hatte 2015 als saarländische Ministerpräsidentin für Empörung gesorgt, als sie die Ehe für alle mit folgenden Worten ablehnte: "Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen" (queer.de berichtete). Auch nach einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit dem LSVD änderte sie ihre Meinung nicht und betonte noch in diesem Jahr – im Frühjahr zur Ernennung als neue CDU-Generalsekretärin und in den letzten Wochen im Vorfeld des Parteitags – immer wieder, dass sie an der Ablehnung der Ehe für alle festhalte: "Das ist meine tiefe und innere Überzeugung", sagte sie etwa erst Anfang Dezember im ZDF und in der "Welt".

Auch den umstrittenen Polygamie- und Inzest-Vergleich hat sie bislang nicht zurückgenommen, geschweige sich dafür entschuldigt. In dem "Welt"-Interview kurz vor dem CDU-Parteitag betonte sie immerhin: "Wenn Homosexuelle Pflegeeltern sein können, dann können sie auch Adoptiveltern sein" (queer.de berichtete). Zuvor hatte sie auch das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare abgelehnt und dabei als "gesellschaftspolitisches Experiment" bezeichnet und als gegen das Kindeswohl gerichtet dargestellt.

Inszenierung mit Homophobie beklagt

"Annegret Kramp-Karrenbauer hat homophobe Positionen ganz eindeutig dazu genutzt, sich im Wahlkampf um den CDU-Vorsitz als 'zuverlässige' wertkonservative Politikerin zu inszenieren. Was an gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wertvoll oder konservativ sein soll, muss sie noch beantworten", kommentiert "Enough is Enough" das Abstimmungsergebnis in einer Pressemitteilung. Die Ehe für alle habe "für mehr Glück, Stabilität und Gerechtigkeit in Deutschland" gesorgt.

Kramp-Karrenbauer nach ihrer Wahl zur CDU-Vorsitzenden am 7. Dezember

Die Ehe-Öffnung dennoch ein Jahr nach der Abstimmung im Bundestag, bei der auch rund jeder vierte Unionsabgeordnete für den Schritt stimmte, "erneut zur Diskussion zu stellen und als Spielball im Wahlkampf zu benutzen, ist ein direkter Angriff auf Hunderttausende Menschen in unserem Land, dem selbst Kramp-Karrenbauers eigene Kinder mit Unverständnis gegenüberstehen", so "Enough is Enough". Kramp-Karrenbauer hatte allerdings betont, die Entscheidung des Parlaments zu akzeptieren.

Der Titel des Mister oder der Miss Homophobia wird von "Enough is Enough" seit 2015 vergeben, seit dem zweiten Jahr durch eine Online-Wahl der Follower der Initiative. In den ersten beiden Jahren ging die Auszeichung an die Organisatorin der homo- und transfeindlichen Bewegung "Demo für alle", Hedwig von Beverfoerde (queer.de berichtete). 2017 wurde der Negativ-Preis an die AfD-Politikerin Alice Weidel und den rechten und ebenfalls homosexuellen Propagandisten David Berger vergeben (queer.de berichtete). (nb)

Links zum Thema: 
» Enough is Enough bei Facebook

 

Quelle: queer.de / red

 



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