Community-Richtlinien Facebook schränkt Gerede über Sex ein

Top oder Bottom? Eine entsprechende Selbstauskunft könnte nach überarbeiteten und teils vagen Richtlinien des sozialen Netzwerkes verboten sein. Und das ist nicht die einzige Sorge queerer Nutzer. Wir sind MenConnect - Wir sind anders :)

Ausschnitt aus den neuen Richtlinien – wird das Unternehmen sie so wenig ernst nehmen wie die gegen Online-Hetze oder so ernst wie die gegen Pornografie?

 

Eine Überarbeitung der Community-Richtlinien von Facebook hat am Donnerstag zu Empörung von vor allem englischsprachigen queeren Blogs und Nutzern von sozialen Netzwerken geführt. Die entsprechenden Richtlinen finden sich, auch auf Deutsch, unter dem neuen Punkt "Sexuelle Kontaktaufnahme" und dem Unterpunkt "Implizite sexuelle Kontaktaufnahme", definiert als "Erwähnen einer sexuellen Handlung mit mindestens einem der folgenden anzüglichen Elemente". Gelistet werden unter anderem "sexualisierter Slang" und "sexuelle Andeutungen", wozu auch die "Erwähnung sexueller Rollen, Stellungen oder Fetischszenarien" gezählt werden. Auch die Erwähnung "sexueller Vorlieben/Präferenzen bei den Sexualpartnern" sind verboten.

Ist damit die lockere Selbstauskunft, man sei "top" oder "bottom", Tabu, wie einige Blogs fürchten? Muss man sich Sorgen um manche Präventionskampagnen der Aids-Hilfen machen? Und was ist mit Szene-Clubs, gar solchen, die der "sexuellen Kontaktaufnahme" dienen? Und das sind nur die ersten Gedanken in einem weiten Feld möglicher Zensurmaßnahmen, die die anonymen Facebook-Moderatoren umsetzen könnten.

Die teils sehr unbestimmten Formulierungen – verboten sind etwa auch "Vage anzügliche Bemerkungen wie 'möchte heute Nacht noch Spaß haben'" – lassen Schlimmes befürchten, zumal Facebook bei bereits verbotenen bildlichen Darstellungen von Pornografie und Geschlechtsteilen rigoros vorgeht und Moderatoren dabei oft über die Stränge schlagen, gerade bei queeren Inhalten. Mit einem Verbot von "möchte heute Nacht noch Spaß haben" könnte man letztlich die halbe Bibliothek deutscher Schlagertexte ganzer Jahrzehnte zensieren. Ganz zu schweigen davon, dass manche Moderatoren im weltweiten Facebook-Netzwerk dazu geneigt sein oder sich dazu aufgefordert sehen könnten, "sexuelle Orientierung" wie "sexuelle Präferenz" oder "Vorliebe" zu bewerten.

In der Tat befürchten manche Nutzer, dass nun auch Diskussionen über die eigene sexuelle Orientierung zu Problemen mit Facebook führen könnten. Das Magazin "Daily Dot" weist zusätzlich darauf hin, dass abseits der regulären Facebook-Timeline vor allem offene und geschlossene Gruppen in dem Netzwerk betroffen sein könnten, gerade die, die zur sexuellen oder auch allgemeinen Kontaktaufnahme dienen und vielen Teenagern oder Menschen auf dem Land bislang eine wichtige Anlaufstelle bieten. Letztlich könnte auch die Kommunikation mit dem Facebook-Messenger betroffen sein.

Neuregelung bereits in Kraft

Facebook hatte die neuen Richtlinien bereits am 15. Oktober mehr oder weniger klammheimlich in Kraft gesetzt – erst jetzt bemerkten Nutzer die Änderungen und die Empörung folgte prompt. Facebook äußerte in einer ersten Stellungnahme an Medien, die neuen Richtlinien ergänzten bestehende Regeln, die sexuellen Missbrauch und der Ausnutzung von Menschen entgegenwirken sollen, und seien auf Wunsch der Community-Moderatoren entstanden, um dieses Ziel besser verfolgen zu können.

 

In den Richtlinien selbst begründet der Konzern den Schritt aber auch durchaus moralisch – und koppelt die Sprache deutlicher vom Ziel einer Kontaktaufnahme ab: "Wir schränken außerdem die Verwendung explizit sexueller, möglicherweise zu einer Kontaktaufnahme führender Sprache ein, da manche Mitglieder unserer globalen Gemeinschaft diese Art von Inhalten als anstößig empfinden könnten", so die deutsche Version der Richtlinien. "Darüber hinaus kann ein solcher Sprachgebrauch Nutzer davor abschrecken, mit Freunden und der Gemeinschaft im Allgemeinen zu interagieren."

Nach der Ankündigung des Verbots von pornografischen Inhalten bei Tumblr könnte die queere Online-Welt erneut deutlich eingeschränkt werden – zumal viele Nutzer in ersten Reaktionen auf die neuen Facebook-Richtlinien befürchteten, dass die Einschränkungen in Kürze auch auf Instagram übertragen werden könnten. (nb)

 
Quelle: queer.de / red


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