Dating-App Grindr-Chef: Ehe ist ein "heiliges Bündnis zwischen Mann und Frau"

Ein Facebook-Eintrag aus der Grindr-Chefetage führte zu einem Shitstorm. Scott Chen will aber missverstanden worden sein.

Image: Archiv

Dating-App Grindr-Chef: Ehe ist ein "heiliges Bündnis zwischen Mann und Frau"

Scott Chen, der Präsident der weltweit führenden schwulen Dating-App Grindr, hat in einem Eintrag auf Facebook betont, dass er die Ehe für eine Verbindung zwischen Mann und Frau halte. Die Aussage führte auf einer Grindr-eigenen Seite und in sozialen Netzwerken zu Kritik, woraufhin Chen behauptete, er sei missverstanden worden.

Die Aussage des in Los Angeles residierenden Managers wurde am Donnerstag zunächst in "Into" problematisiert, einem englischsprachigen LGBTI-Magazin, das zu Grindr gehört. In dem zwischenzeitlich gelöschten Facebook-Eintrag kritisierte Chen zwar christliche Gruppen in Taiwan, die die Gleichbehandlung im Ehe-Recht bekämpfen, deutete aber gleichzeitig an, dass er ein Gegner der Ehe für alle sei.

Der Anlass: Taiwan hatte am Wochenende in einem Volksentscheid mehrheitlich für die Beibehaltung des Eheverbots für Schwule und Lesben gestimmt. Chen selbst war 1977 in der taiwanischen Hauptstadt Taipei geboren worden, lebt aber seit 15 Jahren in den Vereinigten Staaten.

"Manche Menschen denken, die Ehe ist ein heiliges Bündnis zwischen einem Mann und einer Frau. Ich denke das auch, aber das geht uns nichts an", so Chen in dem auf Chinesisch verfassten Eintrag. "Es gibt auch Leute, die glauben, dass der Zweck der Ehe ist, Kinder zu kriegen, die die DNS ihrer Eltern tragen. Das geht uns auch nichts an. Es gibt Leute, die einfach anders sind als man selbst, die unbedingt heiraten wollen. Sie haben ihre eigenen Gründe dafür."

Chen bezeichnet sich als "Verfechter für LGBTQ+-Rechte"

Chen nannte den "Into"-Artikel nach der Veröffentlichung in einem Leserkommentar "unausgewogen und irreführend". Er habe nur die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau bezeichnet, weil das auf seiner eigenen Erfahrung basiere. "Ich bin ein heterosexueller Mann, der mit einer Frau verheiratet ist, die ich liebe. Ich habe auch aus dieser Ehe zwei wunderschöne Töchter, die ich liebe. So denke ich über meine Ehe. Andere Leute haben andere Gefühle über deren Ehe. Ihr könnt meine Gefühle über meine Ehe nicht ignorieren." Außerdem erklärte Chen, er sei seit seiner Jugend ein "Verfechter für LGBTQ+-Rechte": "Ich unterstütze die gleichgeschlechtliche Ehe und bin stolz darauf, dass ich für Grindr arbeiten darf."

"Into"-Chefredakteur Zach Stafford verteidigte gegenüber der britischen Tageszeitung "Guardian" den Artikel über seinen Chef und erklärte: "Grindrs Ziel als Unternehmen ist es, dabei zu helfen, dass LGBT auf der ganzen Welt gleiche Rechte erhalten, speziell wenn es um Dating und Liebe geht. Und die Ehe ist für viele das Endziel unserer App."

In sozialen Netzwerken führte die Aussage Chens zu viel Kritik. Auf Facebook schrieben User Kommentare wie "Deshalb zahle ich nichts für Grindr" oder "Feuert den Idioten". Mehrere andere fragten entsetzt: "Echt jetzt? Einem Hetero gehört Grindr??"

Grindr ist seit 2016 im Besitz des chinesischen Unternehmens Beijing Kunlun Tech, das unter anderem Computerspiele entwickelt. Die Firma stand zuletzt wiederholt in der Kritik – etwa, weil sie sensible Daten von Grindr-Nutzern an Fremdfirmen weitergegeben hatte. Wegen des teilweise rauen Umgangstons und diskriminierender Äußerungen vieler Nutzer startete das Unternehmen im September eine Kampagne gegen Rassismus und Menschenverachtung. (dk)

 

Quelle: queer.de / red


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