Warum Adam und Eva nicht zwingend Mann und Frau sind - MenConnect

© Ausschnitt aus dem Gemälde "Adam und Eva im Paradies" von Lucas Cranach

13 Apr 2020 Berichte

Share to facebook Share to twitter Share to MenConnect Share to pinterest Share to vk

Warum Adam und Eva nicht zwingend Mann und Frau sind

Bibelzitate werden häufig genutzt, um Lesben, Schwule und trans Menschen zu diskriminieren. Dabei projizieren heutige Leser*innen allerdings häufig eigene Vorstellungen in die biblischen Texte.

"Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau" (Gen. 1,27). Dieses Bibelzitat wird sehr oft herangezogen, um die Zweiteilung der Geschlechterrollen und die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und trans Menschen theologisch zu begründen. Doch aus kulturwissenschaftlicher Sicht sei diese Auslegung falsch, erklärten Bibelwissenschaftler*innen bei einer Tagung in Halle.

"In der hebräischen Bibel finden sich sehr verschiedene kulturelle Entwürfe von Geschlechterrollen, von Sexualität und auch von Partnerschaft und Familie", erklärte Stefan Schorch, Professor für Bibelwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Mitte, bei einem Vortrag Mitte Januar bei den "Theologischen Tagen". In kirchlichen Diskussionen und darüber hinaus könne man aber häufig eine Verengung wahrnehmen, weil biblische Zitate und Belegtexte aus ihren Kontexten herausgelöst werden. 

Adam als androgyne Person oder Protoplast 

Die "Theologischen Tage" – eine jährliche Veranstaltung der Theologischen Fakultät der MLU in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalt – hatten sich mit dem Thema "Fluides Geschlecht: Bibelwissenschaftliche Perspektiven auf Homosexualität, Transsexualität und Jungfrauenschaft" befasst. Neben Schorsch sprach dort u.a. Michaela Bauks, Professorin für Bibelwissenschaft am Institut für Evangelische Theologie der Universität Koblenz-Landau. 

Adam und Eva müssen nicht zwingend Mann und Frau gewesen sein, erklärte Bauks in ihrem Vortrag "Der erste Mensch ein Protoplast". Es gehe immer nur um die Auslegung der alten Schriften in bestimmten kulturellen Zusammenhängen. "Einige Texte bezeugen die Erschaffung eines männlichen Paares, andere die eines männlichen und weiblichen Typs", so die Professorin. Der hebräische Name "Adam" bedeute sowohl Mann als auch Mensch, Menschheit oder Jemand. Das erste von Gott geschaffene Lebewesen könne etwa androgyn gewesen sein – oder einfach nur eine Zelle mit Zellwand. 

Auch Prof. Dr. Annette Weissenrieder von der MLU befasste sich in ihrem Vortrag über Jungfrauen und Eunuchen im Neuen Testament mit kulturellen Bewertungsunterschieden: "Wir können keineswegs von vornherein davon ausgehen, dass bestimmte Ausprägungen sexuellen Begehrens, wie etwa Homo- oder Heterosexualität, in der Antike genauso betrachtet wurden wie heute."

Werde Teil der Community von MenConnect!

Already connected with men´s? MenConnect, das Social Network für dich - dein must have! Werde ein Teil unserer Community und finde neue Freunde - Männer & Jungs!

Erforschen

Wie findest du diesen Beitrag?


© queer.de/ Redaktion