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15 Apr 2020 Berichte

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US-Polizisten locken Grindr-Nutzer in eine Falle

Noch immer setzen homophobe US-Sheriffs Lockvögel auf Schwule an, um diese dann festnehmen und in den Medien an den Pranger stellen zu können. Jetzt wurde ein neuer Fall aus dem ländlichen Georgia bekannt.

Die Polizei im Norden Georgias macht offenbar gezielt Jagd auf schwule Nutzer von Online-Dating-Seiten. Das berichtet das regionale queere Magazin "Project Q". So hätten die Beamten im ländlichen Bezirk Dawson Anfang März neun Männer festgenommen und mindestens einen von ihnen "aggressiv verfolgt".

Eine Lokalzeitung hatte (auch online) über die Festnahmen berichtet und dabei den vollen Namen und Polizeibilder der 23 bis 50 Jahre alten Verdächtigen veröffentlicht – teilweise wurde sogar der Arbeitgeber der Beschuldigten in dem Artikel erwähnt. Die Männer werden von den Behörden unter anderem der Zuhälterei beschuldigt, teilweise auch der Strafvereitelung, des Besitzes von Cannabis oder ähnlichen Vergehen. Manchen wurde auch das schwerwiegende Delikt Drogenhandel vorgeworfen. 

Undercover-Polizist: "Ich will kiffen und ficken" 

"Project Q" berichtet detailliert von einem Verdächtigen, der von einem verdeckten Ermittler auf Grindr angeschrieben und in ein Hotel nach Dawsonville zum Sex eingeladen worden sei. Der Ermittler habe den Benutzernamen "Charlie[looking for]420" benutzt. "420" ist ein Codewort für Cannabis-Konsumenten. Der Beamte habe dem "Project Q"-Bericht zufolge ein Gespräch über Marihuana mit seinem Opfer begonnen. Der schwule Mann habe erklärt, dass er ein Konsument sei, dann habe der Beamte gefragt, ob er auch etwas habe könne ("Teilst du mit mir?"). Er habe sogar angeboten, die Papers zu stellen. "Ich will kiffen und ficken", habe er geschrieben. "Daran ist nicht falsch", habe sein Opfer geantwortet. 

Im Haftbefehl habe der Beamte später geschrieben, dass der Mann ihn "zu einem Akt von Prostitution im Tausch für Marihuana" aufgefordert habe, so "Project Q". Dies sei aber laut Chat-Protokollen nicht wahr. Marihuana ist in einem großen Teil von Georgia entkriminalisiert, allerdings nicht im Bezirk Dawson. 

Homophobe Taktik "völlig aus der Zeit gefallen" 

Greg Nevins vom LGBTI-Juristenverband Lambda Legal erklärte gegenüber "Project Q", dass insbesondere der Vorwurf der Zuhälterei haltlos sei. Außerdem wies er auf eine veränderte Taktik von homophoben Behörden hin: "Früher haben sie versucht, Cruising in Parks zu verhindern, angeblich um Kinder zu schützen", so Nevins. Mit Online-Dating sei dies aber nicht mehr möglich, wenn sich die Nutzer hinter verschlossenen Türen treffen. Die Aktion der Polizei sei völlig aus der Zeit gefallen. 

Bezirkssheriff Jeff Johnson stritt gegenüber der britischen "Daily Mail" Vorwürfe der Homophobie ab. "Die Schlussfolgerung, dass diese Männer wegen ihrer Sexualität anvisiert wurden, ist einfach falsch." Der Artikel in "Project Q" zeige nicht das ganze Bild, so Johnson, ohne weitere Details zu nennen. Er sehe auch kein Problem damit, dass die Identität aller Verdächtigen vor einer Verurteilung veröffentlicht wird – man mache eben alle Festnahmen öffentlich.

Dawson County Sheriff's Office

Die Lockvogelermittlungen gegen schwule Männer sorgen bereits seit Jahrzehnten in den USA für Aufregung. Letztes Jahr nahmen verdeckte Ermittler in der Bundeshauptstadt Washington beispielsweise 26 Männer wegen Cruisings in einem unter Afro-Amerikanern populären Park fest.

Das bekannteste Opfer dieser Polizeitaktik war der Popsänger George Michael: 1998 wurde der damals ungeoutete Brite in einem Park in Los Angeles von einem Zivilpolizisten erst geködert und anschließend festgenommen. Da auch er an den medialen Pranger gestellt wurde, bedeutete die Festnahme praktisch ein Outing. Der Popstar wurde am Ende zu einer Geldstrafe in Höhe von 810 Dollar, 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer psychologischen Beratung verurteilt. 

Michael veröffentlichte als Protest gegen das Polizeiverhalten ein halbes Jahr nach dem Vorfall den Song "Outside", der insbesondere in Europa erfolgreich war. Im Musikvideo sind Verhaftungen wegen "unsittlichen Verhaltens" und zwei sich küssende Polizisten zu sehen. Der Polizist, der Michael festgenommen hatte, sah sich durch das Video verspottet und verklagte Michael auf zehn Millionen Dollar – ohne Erfolg.



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