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Berichte

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Stolz und nachhaltig – Wie grün kann der CSD werden?

Die Pride-Saison findet dieses Jahr vor allem virtuell statt. Immerhin: Potsdam etwa hat seinen CSD auf den 19. September verschoben – und noch steht der Termin. So oder so gibt es bei vielen Veranstalter*innen mittlerweile Pläne, die Pride nachhaltig und ökologisch zu gestalten. 

Bunt und laut ziehen sie mit einer klaren gesellschaftspolitischen Agenda massenhaft durch die Strassen. Sie sind jedes Alters und Geschlechts, jeder Herkunft und jedes sozialen Hintergrunds. Sie alle eint ein Wunsch: den Klimawandel aufzuhalten. Freitag für Freitag sind die Menschen von Fridays for Future auf den Strassen unterwegs. Längst ist daraus eine globale Umweltbewegung geworden. 

Die LGBTIQ-Community kennt das: Aus Protesten in der New Yorker Christopher Street wurde eine gigantische, weltweite Bewegung. Auch hier ziehen riesige, bunte Demonstrationen durch die Städte der Welt. Paraden, die nachhaltig auf die Gesellschaft einwirken und Festivals, die das Denken der Menschen hin zur Akzeptanz menschlicher Vielfalt verändern. Und dabei viele Tonnen CO2 ausstossen und Feinstaub produzieren. Vom Abfall ganz zu schweigen: Flyer, Konfetti, Plastikglitter, Trinkröhrchen, Glasflaschen, Einweggeschirr, Kunstfederboas. In Stuttgart wurden im vergangenen Jahr nach der CSD-Parade drei Tonnen Abfall aufgekehrt (2017 waren es sogar 3,5 Tonnen). Beim Cologne Pride kamen im Jahr 2018 sogar 29 Tonnen Müll entlang der Wegstrecke zusammen – Glasbruch, Einwegplastik, Aufkleber.

Berliner Müllaufkommen hat sich verdoppelt

Bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) misst man den Abfall in Kubikmetern: Hier verzeichnet man einen deutlichen Anstieg von 91m³ (2017) auf 155m³ (2018) auf 209m³ im vergangenen Jahr – zum überwiegenden Teil Glasflaschen, teilte uns die BSR mit. Wenn man davon ausgeht, dass ein Kubikmeter Glas ein Durchschnittsgewicht von 1,2 Tonnen hat, käme man grob geschätzt auf 200 Tonnen CSD-Müll allein in der deutschen Hauptstadt. Nichts, worauf man stolz sein kann.

209m³ Müll musste die Berliner Stadtreinigung nach dem CSD 2019 aufkehren. (Bild: BSR)

Wie passt das in eine Zeit, in der das Leben nachhaltiger werden soll? Wir haben den Machern der grössten Pride-Festivals im deutschsprachigen Raum die Gretchenfrage unserer Zeit gestellt: Wie haltet ihr es mit der Nachhaltigkeit?

Grünes Lob der Stadt Zürich 

In Zürich, wo dieses Jahr am 20. Juni die Pride gefeiert worden wäre, die aber nun ersatzlos gestrichen ist, hat man bereits 2013 ein Mehrwegsystem bei Bechern eingeführt. Dazu gibt es Sammelstellen für PET-Flaschen und Aluminium; durch Recycling-Stationen auf dem gesamten Festivalgelände wird der Abfall bereits vorab getrennt. Zusätzlich will man in diesem Jahr komplett auf Plastikstrohhalme verzichten und wirbt bei den Standbetreiber*innen aktiv um Unterstützung.

Von der Stadt Zürich werde die Pride als «grünes Festival» angesehen, erklärt Kevin Burke aus dem Vorstand der Zurich Pride. 2019 habe es dafür auch ein grosses Lob gegeben, dass man eine Vorbildfunktion gegenüber anderen Grossveranstaltungen habe.

«Nachhaltigkeit ist uns wichtig, weil uns als grösster queerer Anlass der Schweiz auch die Umwelt sehr am Herzen liegt und wir im Rahmen unserer Möglichkeiten unser Beitrag leisten möchten, damit wir auch in Zukunft die Vorbildfunktion aufrechterhalten können», so Burke.

Auch im Süden Deutschlands wird um die Balance zwischen den Zielen der Pridebewegung und dem gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise gerungen. «Wir versuchen der Gesellschaft seit 50 Jahren klarzumachen, dass wir ein selbstverständlicher Teil von ihr sind. Als solcher müssen wir uns auch der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe stellen, den Klimawandel zu bekämpfen», findet Christoph Michl vom CSD Stuttgart.

Allerdings: «Wir dürfen dabei die Ziele des CSD nicht aus den Augen verlieren. Wir sind kein Umweltverband. Wir können nur aufmerksam unseren Ressourcenverbrauch eruieren und schauen, was wir besser machen können.» Ein klimaneutraler CSD würde bedeuten, keinen CSD zu veranstalten …

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