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18 May 2020 Berichte

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St. Martini: Lesben und Schwule verloren für Zeit und Ewigkeit

Die Gemeinde von Olaf Latzel verurteilt das Disziplinarverfahren der Bremer Kirchenleitung gegen den LGBTI-feindlichen Pastor. Er verkünde die "biblische Wahrheit". Sanktionen werde sie "nicht akzeptieren".

Der innerkirchliche Streit um den evangelischen Bremer Pastor Olaf Latzel eskaliert: Nach einem Gottesdienst am Sonntag stellte sich der Vorstand der St.-Martini-Gemeinde ohne Wenn und Aber hinter den LGBTI-feindlichen Hassprediger. Die von Vorstandsmitglied Jürgen Fischer verlesene und anschließend auf der Website der Gemeinde veröffentlichte Erklärung ist eine Kampfansage an die Leitung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) und eine indirekte Warnung an Lesben und Schwule, ihre Homosexualität auszuleben.

Latzel habe nur die "biblische Wahrheit" verkündet, argumentiert der Gemeindevorstand: "Die Ablehnung gelebter Homosexualität im Alten wie im Neuen Testament wird mit einer Eindeutigkeit vorgetragen, die eigentlich jede Diskussion darüber überflüssig erscheinen lässt", heißt es in dem fünfseitigen Papier. "Über tausende von Jahren wurde die biblische Beurteilung der Homosexualität nicht infrage gestellt, weder vom alttestamentlichen Gottesvolk, noch von der neutestamentlichen Gemeinde."

Latzel werde "eingeschüchtert und mundtot gemacht"

Das Zitieren dieser Bibeltexte habe "nichts mit Herabwürdigung von homosexuell empfindenden Menschen oder gar Hetze gegen sie zu tun", behauptete der St.-Martini-Vorstand. "Dies sollte einem Pastor einer christlichen Kirche wohl noch gestattet sein." Ein Homosexueller, der seine Sexualität auslebe, sei nach der Bibel ein "Sünder", für den es keine "billige Gnade" geben dürfe: "Er bleibt unter dem Gericht Gottes und damit verloren für Zeit und Ewigkeit." 

Die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen Latzel sei ein "unverhohlener Angriff auf die in der Kirchenverfassung der BEK den Gemeinden garantierte unbeschränkte Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit", heißt es weiter in der Erklärung. Der Pastor, der "eine theologisch unliebsame Position vertritt, soll eingeschüchtert und mundtot gemacht werden". Das gesamte Verfahren sei rechtswidrig, weil der Kirchenausschuss nicht befugt sei, sich zu Fragen des Glaubens und der Lehre zu äußern. "Der Vorstand der St. Martini Kirchengemeinde wird daher Sanktionen gegen Pastor Latzel, die im Zuge dieses Disziplinarverfahrens möglicherweise ausgesprochen werden, nicht akzeptieren."

Beten für die "Erweckung in unserem Land"

Die Gemeinde bedankte sich zudem für die "vielen unterstützenden Zuschriften", die sie aus ganz Deutschland erreicht hätten: "Tausende Menschen haben sich hinter Olaf Latzel und hinter St. Martini gestellt. Tausende Menschen falten für uns die Hände." Gleichzeitig beklagte sich der Vorstand: "Der Widerstand gegen bibeltreue Christen in unserem Land und in den anderen Landeskirchen wächst, der Gegenwind wird schärfer." 

Die Erklärung endet mit dem Aufruf, für die "Erweckung in unserem Land" zu beten: "Beten Sie, dass Gott, der Herr, Missionare und Evangelisten in unser Land schickt, die uns das Evangelium, die 'Gute Nachricht', von Jesus Christus, unserem Herrn und Heiland, neu zurufen, damit Menschen zum Glauben kommen, Heilung und Errettung erfahren." 

Angezeigt wegen Volksverhetzung 

Olaf Latzel hatte Mitte Oktober 2019 homosexuelle und trans Menschen in einem Seminar aufs Übelste diffamiert. In dem auf dem Youtube-Kanal des Pastors mittlerweile gelöschten Vortrag meinte der 52-Jährige unter anderem: "Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day." Darüber hinaus beklagte Latzel, dass "diese Homo-Lobby, dieses Teuflische" immer stärker werde. "Gelebte Homosexualität" sei "vor Gott ein Gräuel" und "todeswürdig". Die Anerkennung von Transsexualität zerstöre ferner "unsere gesamte Zivilisation und Kultur". 

Wegen der Tiraden wurde der Pastor der St.-Martini-Kirche u.a. wegen Volksverhetzung angezeigt (Menconnect berichtete). Staatsanwaltschaft und Staatsschutz in Bremen prüfen derzeit, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat bestehe. Am Donnerstag beschloss der Kirchenausschuss der BEK einstimmig, ein Disziplinarverfahren gegen Latzel einzuleiten.

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