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Berichte

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Pforzheim: Regenbogenfahne geklaut, russische Fahne gehisst

Der russische Flaggenstreit schwappt offenbar auch auf Deutschland über, wie ein Fall in Nordbaden zeigt.

Vor dem Hauptbahnhof der badischen Großstadt Pforzheim haben Unbekannte die anlässlich der CSD-Saison angebrachte Regenbogenfahne entfernt und durch eine russische Flagge mit dem Doppeladler-Wappen ersetzt. Wie die "Pforzheimer Zeitung" am Donnerstag berichtete, bestätigte eine Sprecherin der Deutschen Bahn den Vorfall. Man werde der Sache nachgehen, erklärte sie.

Unklar bleibt, ob es sich hierbei um einen LGBTI-feindlichen Vorfall gehandelt hat. Dies liegt aber nahe, da die Regenbogenfahne vom Moskauer Regime als feindliches Zeichen eingeschätzt wird und es gerade in seinen Propaganda-Medien Stimmung gegen die bunte Flagge macht. Erst am Montag wurde etwa bekannt, dass das russische Außenministerium formal Proteste gegen die Moskauer Botschaften von Kanada, Großbritannien und den USA eingelegt hat, weil die drei diplomatischen Einrichtungen Ende Juni öffentlich die Regenbogenfahne gehisst hatten. 

Die Geschäftsführerin der Pforzheimer Aidshilfe, Claudia Jancura, fühlt sich nach dem Flaggenklau an eine homophobe Tat im vergangenen Jahr erinnert: Nach einem Gottesdienst der evangelischen Gemeinde Buckenberg-Haidadch zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember sei die Kirchentür mit Eiern beworfen worden, sagte sie anlässlich des erneuten Vorfalls gegenüber der "Pforzheimer Zeitung".

In Pforzheim leben viele Spätaussiedler aus der Ex-Sowjetunion, die sich oft über Diskriminierung durch die Alteingesessenen beklagen. Diese Gruppe, in der auch LGBTI-Feindlichkeit weit verbreitet ist, wird derzeit intensiv von der AfD umworben – bei der letzten Landtagswahl hatten die Rechtspopulisten im Wahlkreis Pforzheim sogar das Direktmandat mit knappem Vorsprung vor den Grünen gewinnen können.

Der AfD macht derzeit bundesweit unter Russlanddeutschen Stimmung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten: Erst vor knapp zwei Wochen beklagte der Berliner Abgeordnete Gunnar Lindemann etwa, dass der CSD im Ortsteil Marzahn, in dem viele russlandstämmige Menschen leben, "antirussischer Rassismus" sei. (dk)

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