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12 May 2020 Berichte

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Ottmar Hitzfeld rät schwulen Fußballern vom Coming-out ab

Der frühere Bayern-Trainer warnt schwule Profis, dass die Zeit für ein Coming-out noch nicht reif sei. Unterdessen denken offenbar mehrere britische Profis darüber nach, sich zu outen.

Der ehemalige Spitzentrainer Ottmar Hitzfeld hält das Coming-out eines schwulen Fußballprofis gegenwärtig für zu belastend. Im am Dienstag erscheinenden Buch "Mensch Trainer" von Isabella Müller-Reinhardt, aus dem "Sportbuzzer" exklusiv zitiert, vergleicht Hitzfeld sein Burnout aus dem Jahr 2004 mit der Lage homosexueller Fußballer.

Er habe damals keine Schwäche zeigen und jedwede Öffentlichkeit über seine Situation vermeiden wollen, unter anderem weil er negative Reaktionen im Stadion fürchtete, so Hitzfeld. Aus diesem Grund würde er schwulen Profis im Augenblick "immer" dazu raten, sich erst nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn zu outen. "Gegnerische Fans nutzen so etwas aus. Die Zeit ist einfach noch nicht reif für so viel Ehrlichkeit", erklärte der 71-Jährige. 

Der gebürtige Lörracher gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Trainer. So gewann er zwei Mal, als Coach von Borussia Dortmund 1997 und mit Bayern München 2001, die Champions League. Er war damit einer von bislang nur fünf Trainern, denen es gelang, mit zwei verschiedenen Vereinen wichtigsten Pokal für europäische Spitzenteams zu gewinnen. Zwischen 2008 und 2014 war er außerdem Coach der schweizerischen Nationalmannschaft. 

Bislang hat sich in der deutschen Bundesliga noch nie ein Profi während seiner Karriere als Spieler geoutet. Prominentester Schwuler im deutschen Fußball ist derzeit Thomas Hitzlsperger, der Vorstandsvorsitzende des Zweitligisten VfB Stuttgart. Er hatte sich erst nach dem Ende seiner Karriere 2014 geoutet.

Einziges Coming-out in Profiliga endete in Tragödie 

In einer europäischen Spitzenliga hatte es bislang nur ein einziges Coming-out gegeben – dieses zeigt auf, wie schwierig die Situation von schwulen Fußballern ist: Der englische Shootingstar Justin Fashanu wurde in den Achtzigerjahren von seinem Trainer Brian Clough vom Club Nottingham Forrest suspendiert, als dieser von den Besuchen seines Stars in Schwulenbars erfuhr. Außerdem beschimpfte Clough Fashanu vor seinen Mannschaftskollegen als "verdammte Schwuchtel". 

Daraufhin wechselte der Spieler mehrfach den Verein und machte schließlich 1990 seine Homosexualität publik – seine Karriere war damit endgültig gelaufen, er spielte in Kanada und später bei Provinzclubs in England. 1998 nahm er sich das Leben, nachdem er beschuldigt worden war, sich in den USA an einem 17-jährigen Jugendlichen vergangenen zu haben – die Vorwürfe konnten nie bewiesen werden. 

Derzeit gebe es auf der Insel aber Bewegung, so Fashanus Nichte Amal, die eine Stiftung im Namen ihres verstorbenen Onkels betreibt. Sie erklärte vor wenigen Tagen laut "The Sun", dass fünf britische Fußballstars derzeit über ein Coming-out nachdenken würden, davon zwei aus der höchsten englischen Liga. "Niemand will der erste sein", so Amal Fashanu. "In ihrem Kopf sind sie gefangen und schämen sich. Sie denken, die Gesellschaft wird sie nicht akzeptieren und deshalb leben sie ihr Leben im Geheimen." Sie glaube aber, dass in den nächsten fünf Jahren mindestens ein Profi den Schritt an die Öffentlichkeit wagen werde. In Großbritannien hatte es in den letzten Jahren mehrere Akzeptanzkampagnen der Verbände und Vereine gegeben.

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