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Berichte

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Nach IDAHOBIT-Beflaggung – LGBTIQ in Irak in Todesangst

Am Mittwoch soll in Bagdad eine homosexuelle Person erschossen worden sein. Zahlreiche Twitter-User*innen sprechen von einem zweiten Mord an einem Schwulen. Anlass soll die Flaggenhissung unter anderem der EU-Vertretung vor einer Woche sein.

«Eine bewaffnete Gruppe hat in Sadr City eine Person mit Schalldämpfern getötet», wird ein Polizist von der Nachrichtenagentur Shafaaq zitiert. Die Tötung soll am vergangenen Mittwoch stattgefunden haben.

Vorläufige Informationen deuteten darauf hin, dass das Opfer homosexuell sei, hiess es. Bei der Leiche wurde ein Zettel gefunden, der eine Art Warnmeldung enthielt: Sie richtete sich «an die echten irakischen Familien»; sie müssten ihre Kinder von der Ausübung von Homosexualität abhalten, etwa durch das Praktizieren von Analsex. Shafaaq vermutet, diese «Warnmeldung» könne ein Auftakt zu homosexuellen Attentaten im Irak sein.

Einem Bericht von Baghdad Today zufolge gab es bereits einen weiteren Mordfall in Babil (früher: Hilla). Dort sei ein junger Mann namens Mohammed Ali Salim in seinem Auto erschossen und die Leiche geschändet worden sein. Der Hintergrund bleibt in der Zeitung unerwähnt, doch Twitter-User*innen zufolge war er schwul und wurde von schiitischen Al-Sadr-Milizen umgebracht.

Auch wenn die Informationen bisher spärlich und mit Vorsicht zu geniessen sind: Die Community in Bagdad ist in grosser Angst. In einer Grafik, die sich derzeit bei Twitter mit den Hashtags #save_iraqi_gays und #save_iraqi_homosexuals verbreitet, heisst es: Die Flaggenhissung in einem homophoben Land wie dem Irak sei ein grosser Fehler gewesen. Junge LGBTIQ müssten jetzt darunter leiden. «Wir werden täglich gejagt, gekidnappt und getötet», heisst es dort. Die irakische Regierung unternehme nichts zu ihrem Schutz, schreibt eine Twitter-Userin.

Der in Kurdistan im Nordirak gebürtige LGBTIQ-Aktivist Amed Sherwan schrieb am Samstag auf Facebook: «Hier ist internationaler Druck notwendig. Wir müssen alle zusammen stehen für die LGBTTIQ-Community im Irak!»

Zum IDAHOBIT hatte die Vertretung der Europäischen Union in Bagdad zum ersten Mal in der Geschichte des Irak die Regenbogenfahne über ihrem Hauptquartier gehisst – ebenso wie das kanadische und britische Konsulat, die sich der Aktion anschlossen.

Gewonnen hätten dadurch aber vor allem die gefürchteten Milizen, die sich nun als Hüter von Moral und Männlichkeit gerieren könnten, sagte der Wissenschaftler Musa Al-Ahadidi in diesem BBC-Video.

Die Kritik in dem Land fiel heftig aus: Man habe gegen die «edle Moral aller göttlichen Religionen» im Irak verstossen. Als Reaktion auf die gehissten Regenbogenfahnen wetterten zunächst viele Twitter-User*innen gegen die Fahnenhissung. Gerade im Ramadan sei dies besonders respektlos. Sie forderten, dass die Fahnen heruntergerissen und verbrannt würden.

Auch der einflussreiche radikale Geistliche, der Milizenführer und Politiker Muqtada Al-Sadr, schaltete mit einem Brief an die Vertretung der EU ein. Man verlange eine offizielle und sofortige Entschuldigung für das Hissen der Regenbogenflagge in Irak. Ende März hatte Al-Sadr bei Twitter behauptet, dass die Legalisierung der Ehe für schwule und lesbische Paare in vielen Ländern der Welt massgeblich zur Ausbreitung der Corona-Pandemie geführt habe.

Das Mediennetzwerk Esta berichtet aus dem Nahen Osten und zitierte den stellvertretenden Sprecher des irakischen Repräsentantenrates, Bashir Hadad. Auch er verlangte, dass sich die diplomatischen Missionen für ihr Vorgehen entschuldigen müssten. Sie hätten gegen die «edle Moral aller göttlichen Religionen» im Irak verstossen.

Hadad verlangte, die EU-Mission müsse sich für die Aktion entschuldigen, die sich nicht noch einmal wiederholen sollte. 

Neben Homosexualität, Atheismus und Frauenrechten thematisiert der Film «Baghdad in my Shadow» gleich drei Tabus in der irakischen Gesellschaft und strickt daraus eine packende Geschichte.


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