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Berichte

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Mobbing treibt Selbstmordrate unter queeren Jugendlichen nach oben

Mobbing spielt bei Suiziden unter queeren Teenagern eine viel größere Rolle als unter nicht-queeren jungen Menschen, die Selbstmord begehen. Die Lösung ist laut Forschern einfach: Schulen müssen etwas gegen Mobbing und für LGBTI-Akzeptanz tun.

Homo-, bi- oder transsexuelle Kinder und Jugendliche haben ein weit höheres Risiko, sich das Leben zu nehmen als andere Teenager*innen. Das haben mehrere Studien bereits nachgewiesen – eine italienische Metastudie kam 2018 etwa zu dem Ergebnis, dass junge queere Menschen ein vier- bis sechsfaches Risiko haben, einen Selbstmordversuch zu verüben (Menconnect berichtete).

Eine am Dienstag im Fachmagazin "JAMA Pediatrics" veröffentlichte US-Studie könnte nun Aufschluss darüber geben, warum sich queere Teenager*innen eher das Leben zu nehmen: Forscher*innen der Yale-Universität im Bundesstaat Connecticut fanden heraus, dass queere junge Menschen, die durch eigenen Hand gestorben sind, fünf Mal eher gemobbt worden seien als nicht-queere Kinder und Jugendliche.

Die Forschenden unter Führung von Hauptautorin Kirsty Clark hatten rund 10.000 Sterbeurkunden aus den Jahren 2003 bis 2017 untersucht, die für zehn- bis 19-jährige Jugendlichen ausgestellt worden waren, die sich das Leben genommen hatten. Laut Clark handelte es sich dabei um die erste Studie, die die unterschiedliche Rate von Mobbing, inklusive Cybermobbing, bei Suiziden unter queeren und nicht-queeren Jugendlichen untersuchte. Für die Untersuchung wurden neben Todesurkunden unter anderem auch Berichte von Gerichtsmediziner*innen, der Polizei oder sogar Einträge in sozialen Medien und Abschiedsbriefe ausgewertet.

Bei LGBTI lag der Anteil der durch eigene Hand gestorbenen Kindern und Jugendlichen, die vorher gemobbt worden waren, bei 20,7 Prozent – bei Nicht-LGBTI waren es "nur" 4,4 Prozent. Am höchsten war der Wert bei Zehn- bis 13-Jährigen: Hier waren bei suizidalen queeren Kindern 68 Prozent im Vorfeld gemobbt worden – bei nicht-queeren Kindern waren es 15 Prozent. Die meisten Suizide ereigneten sich sowohl bei LGBTI als auch bei Nicht-LGBTI in der Gruppe der 17- bis 19-Jährigen – dieser Gruppe stellte je mehr als die Hälfte der Toten.

Mobbing verschärft Probleme mit psychischer Gesundheit

"Gemobbte Menschen haben eher Probleme mit ihrer psychischen Gesundheit, was Depression oder Angstgefühle beinhaltet, die zu suizidalen Gedanken oder Verhaltensweisen beitragen können", erklärte Hauptautorin Kirsty Clark. "Für Heranwachsende, die LGBTQ sind und bereits mit ihrer LGBTQ-Identität zurechtkommen müssen, können Mobbing und soziale Ausgrenzung die psychische Gesundheit und die Suizidalität erheblich beeinflussen."

Sie verwies auch auf eine Studie der US-Gesundheitsbehörde CDC , wonach schwule, bisexuelle oder lesbische Highschool-Schüler*innen fast zwei Mal so häufig Opfer von Mobbing werden (33 Prozent gegenüber 17 Prozent). In dieser Gruppe gebe es daher auch vier Mal eher Versuche, sich das Leben zu nehmen (23 Prozent gegenüber fünf Prozent).

Clark fordert angesichts all dieser Daten eine Reaktion der Politik. Würde an Vorschulen und Schulen Mobbing besser bekämpft und die Akzeptanz von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten gesteigert, könne die Selbstmordrate unter queeren Kindern und Jugendlichen erheblich gesenkt werden. Außerdem müssten Kinderärzt*innen für die Belange queerer Patient*innen sensibilisiert werden.

Freilich gibt es bei derartigen Initiativen an Schulen erheblichen Widerstand von konservativen oder rechtspopulistischen Politiker*innen, die LGBTI-Akzeptanzunterricht an Schulen als "Frühsexualisierung" diskreditieren. Dieses Spiel mit dem Leben queerer Menschen findet in Deutschland meist in der AfD statt, aber auch Unions-Abgeordnete wie Hans-Jürgen Irmer, die Berliner CDU-Fraktion oder die bayerische CSU werben mit Hass auf sexuelle und geschlechtliche Minderheiten um Stimmen.

Hilfsangebote bei Suizidgedanken 

Eine generelle Notfall-Seelsorge für Menschen mit Suizidgedanken ist unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 zu erreichen (für Kinder und Jugendliche gibt es auch die kostenlose "Nummer gegen Kummer" unter 116 111). 

Für Kinder und Jugendliche, die in Deutschland Schwierigkeiten rund um ihr Coming-out haben, gibt es zahlreiche LGBT-Jugendgruppen und -zentren, die ebenso Beratung bieten wie Kontaktmöglichkeiten zu Gleichgesinnten. Auch mehrere Webseiten, etwa dbna (Du bist nicht allein) oder die des bundesweiten Jugendnetzwerks Lambda, richten sich gezielt an junge Schwule und Lesben.


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