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LSVD kritisiert Grün-Schwarz für fehlende LGBTI-Sichtbarkeit an Schulen

Am Streit um die Erwähnung von LGBTI im Bildungsplan entzündete sich vor rund sieben Jahren ein Kulturkampf in Baden-Württemberg. Doch viel erreicht hat der umstrittene Plan offenbar nicht.

Der baden-württembergische Landesverband des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) hat am Dienstag die Landesregierung scharf für ihre Schulpolitik kritisiert. "Es ist sehr enttäuschend, dass das Kultusministerium es in mehr als drei Jahren nicht geschafft hat, die Lebensrealitäten von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgendern, Intersexuellen und queeren Menschen in Schule, Unterricht und Lehrkräftefortbildungen zu berücksichtigen, geschweige denn fachbezogene Ansprechpersonen in der Schulverwaltung zu schaffen oder sich für das Lehrpersonal beratend von außen zu suchen", erklärt LSVD-Landesvorstandsmitglied Kerstin Fritzsche. "Das gleicht einem Totalausfall. Bereits 2016 haben wir vor fehlender Verbindlichkeit und Überprüfbarkeit gewarnt. Leider sehen wir uns damit in unseren Befürchtungen bestätigt."

Hintergrund ist der neue Bildungsplan, der seit dem Schuljahr 2016/17 vorsieht, ausführlich über sexuelle Vielfalt aufzuklären und Vorurteile über sexuelle und geschlechtliche Minderheiten abzubauen. Der Plan war die Initiative der ersten grün-roten Landesregierung unter dem noch heute regierenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). Der Lehrplan führte zu jahrelangen Protesten von homophoben Aktivist*innen, etwa mit den sogenannten Demos für alle. 

Die damaligen Oppositionsparteien CDU und FDP reihten sich in die homosexuellenfeindliche Argumentation ein – die CDU-Landtagsfraktion behauptete etwa, Akzeptanzunterricht führe zu mehr sexuellem Kindesmissbrauch, FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke, der bis heute im Amt ist, attestierte 2014, Schwule und Lesben seien "nicht gleichwertig" mit heterosexuellen Familien. 

Inzwischen regieren Kretschmanns Grüne mit der CDU – und die Christdemokraten kontrollieren seit dem Koalitionspartner-Wechsel das für Schulpolitik verantwortliche Kultusministerium. Der LSVD deutet eine aktuelle Stellungnahme des Ministeriums so, dass LGBTI-Identitäten "eher keine Berücksichtigung" fänden. Erst jetzt werde eine Handreichung für Schulpsycholog*innen und Beratungslehrer*innen erstellt, die ab Herbst verfügbar sein soll. Kultusministerin ist gegenwärtig Susanne Eisenmann, die nächstes Jahr für die CDU als Spitzenkandidatin ins Rennen gehen wird, um den Grünen Kretschmann abzulösen.

Baden-WürttemAnderswo laufe es mit der Akzeptanz an Schulen besser, erklärte Fritzsche: "In anderen Bundesländern gibt es das Projekt SCHLAU – schwul-lesbische Aufklärung in der Schule, das von Schulämtern unterstützt wird und von Schulen angefragt werden kann. Leider gibt es eine solche landesweite Initiative in Baden-Württemberg nicht." Aber auch der LSVD oder das LSBTTIQ-Landesnetzwerk würden selten für Expertise oder Workshops angefragt. Oft ginge das nur auf sehr engagierte Lehrkräfte oder Schulleitungen zurück. "In einem so großen Flächenland wie Baden-Württemberg reicht das nicht. Deswegen befürworten auch wir eine Studie zum Stand der Umsetzung der Bildungspläne. Nur wenn wir wissen, wie die Lebens- und Lernrealität von LSBTTIQ-Kindern und -Jugendlichen aussieht, kann dafür gesorgt werden, dass alle ein angstfreies Lernklima vorfinden", so Fritzsche weiter. Eine entsprechende Überprüfung der Umsetzung des Bildungsplans fordern die Grünen in einem aktuellen Antrag.begs LSVD blickt sehnsüchtig auf andere Länder

Als Beispiel für die Probleme mit Akzeptanz in Baden-Württemberg führte der LSVD das Kindertheaterstück "Ein Känguru wie du" in Baden-Baden an, das 2017 nach Protesten homophober Eltern abgesetzt wurde. In dem Stück geht es um ein schwules Känguru, das Diskriminierung erfährt. Laut homophoben Eltern führe das Stück zu "Frühsexualisierung". Dabei ging es in dem Spiel nicht um Sexualität, sondern um Freundschaft.

Die Absetzung hatte laut LSVD freilich die von den Homo-Hasser*innen gewünschte Wirkung erzielt: "Eine Schule, die ähnliches vorhat, wird sich drei Mal überlegen, ob sie sich sehenden Auges in solch eine ziellose Auseinandersetzung begibt", bilanzierte Fritzsche. (dk)

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