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Heimkino Duschen mit dem Sohn von Eva Mattes

Zwei Jungs begegnen sich auf einer Berliner Straßenkreuzung. Liebe auf den ersten Blick? Es lauern Hürden! Siemo Kemmesies' Spielfilm "Silent Youth", der jetzt im Salzgeber Club läuft, bietet Poesie à la Gus Van Sant.

"Kennen wir uns?" – "Ich glaube nicht." – "Warum starrst du mich dann so an?". Ein bisschen knirscht es noch beim ersten Gespräch zwischen Marlo (Martin Bruchmann) und Kirill (Josef Mattes). Beim Überqueren der Straße hatten sich zufällig ihre Hände berührt – und beide waren sofort wie elektrisiert.

Doch schüchtern wie sie beide sind, fällt das Flirten verhalten aus. Bei der sexuellen Orientierung sind die Jungs sich auch noch nicht so völlig klar: "Hattest du schon mal was mit nem Typen?" – "Nee. Du?" – "Ich hab einen Sohn", geht das Gespräch.

Ein langer Spaziergang auf der ehemaligen Rollbahn

Immerhin tauscht man in der U-Bahn die Telefonnummern aus, tatsächlich kommt es am nächsten Tag zu einem Treffen. Man fährt zum Tempelhofer Flughafen, läuft über die ehemalige Rollbahn. Läuft und läuft und läuft. Und schweigt – die Szene zieht sich ziemlich lang.

Danach liegen beide im Gras, reden über irgendwas. Autor und Regisseur Diemo Kemmesies hat es bei seinem Debüt "Silent Youth" nicht eilig mit dem Erzählen, ganz im Gegenteil.

Bisweilen treibt er die Entschleunigung bis zum Anschlag. Wer sich darauf nicht einlässt, wird mit elender Langeweile bestraft. Alle anderen bekommen auf diesem stilsicheren Trip cineastischen Slow Food à la Gus Van Sant serviert.

Vorsichtige Annäherung mit Blicken und kleinen Gesten

Die vorsichtige Annäherung der ungleichen Typen geschieht ohne viele Worte, vielfach nur mit Blicken und kleinen Gesten. Immer wieder tauchen Selbstzweifel als Hürden auf, braucht es einiger Geduld, sich die Gefühle selbst und gegenseitig einzugestehen.

Für die jungen Schauspieler Martin Bruchmann als sensibler Student Marlo und Josef Mattes (ja, der Sohn von Eva!) als traumatisierter Exil-Russe Kirill keine leichte Aufgabe, den emotionalen Autismus glaubhaft zu präsentieren. Doch beide überzeugen gleichermaßen mit Leinwandpräsenz und psychologischer Präzision. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt perfekt.

Das macht sich sehr viel später beim (endlich!) gemeinsamen Duschen im Kirills Studentenwohnheim bemerkbar. Diese Sequenz mit Einseifen und Knutschen dauert gleichfalls wieder etliche Minuten – dürfte den meisten Zuschauern freilich weitaus kurzweiliger erscheinen als jener ewige Spaziergang auf der Rollbahn von Tempelhof…

Abrechnung mit queeren Klischees aus Hollywood

Für den Regisseur eine Schlüsselszene und Abrechnung mit queeren Klischees aus Hollywood. "Die Idee bekam ich durch 'Brokeback Mountain'", erzählt Diemo Kemmesies in einem Interview. "In dem Film gibt es eine Sexszene, in der die beiden Protagonisten übereinander herfallen. Da dachte ich: 'Interessant, wie ihr das zeigt, aber ich glaube euch das nicht.' Deswegen wollte ich einen Gegenpol zum übersexualisierten Film machen." 

Das kleine Coming-out-Juwel "Silent Youth" aus dem Jahr 2013 startet am 30. Juli im Salzgeber Club und ist allemal die Wiederentdeckung wert!


 
Vimeo / Salzgeber Club | Offizieller Trailer zu "Silent Youth" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen


Links zum Thema:

» "Silent Youth" als VoD im Salzgeber Club
» Den Film auf DVD bei amazon.de bestellen



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