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30 Apr 2020 Berichte

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AfD sorgt sich angeblich um Abwertung von Homosexuellen

Ob das Satire ist? Ein AfD-Politiker, der zuletzt vor allem wegen seiner Verbindungen zur neonazistischen NPD aufgefallen ist, macht sich Sorgen um Homophobie.

Manchmal traut man als queer.de-Redakteur seinen Augen nicht: Der rheinland-pfälzische AfD-Landtagsabgeordnete Joachim Paul hat am Mittwoch eine Pressemitteilung verbreitet, in der er die Abwertung Homosexueller beklagt. Konkret kritisierte der 49-Jährige im Namen des Bundesvorstandes die LGBTI-feindlichen Äußerungen des Chefs der türkischen Religionsbehörde. "Die Predigt des Diyanet-Präsidenten macht deutlich, dass die türkische Religionsbehörde und somit auch die an ihre Weisungen gebundene Ditib für eine fundamentalistisch-islamistische Ideologie stehen, die Homosexuelle abwertet – und die in der Türkei mittlerweile Staatsreligion ist", so Paul. Durch Ditib-Imame würden "Parallelwelten gestärkt, die Hetze gegen Christen, Juden und Homosexuelle salonfähig" machten.

Es ist ja eigentlich immer nett, wenn sich Politiker für LGBTI-Rechte einsetzen. Weniger nett ist es, wenn es – wie im Fall der AfD – nur geschieht, um einer noch verhassteren Gruppe eines auszuwischen. Tatsächlich äußern sich Politiker der Rechtsaußenpartei nur positiv über Homosexuelle, wenn sie damit Muslime oder Ausländer attackieren können. Diese Strategie fährt die AfD bereits seit ihrer Gründung – ein frühes Beispiel ist der Berliner Wahlkampf 2016, als die damals noch von Frauke Petry angeführten Rechtspopulisten im Berliner Regenbogenkiez mit der Angst vor "muslimischen Einwanderern" um die Stimmen von schwulen Männern warben.

Über Paul sollte man auch wissen, dass er erst vor wenigen Monaten wegen seiner Nähe zu Neonazis und rechtsextremem Gedankengut als Vorsitzender des Ausschusses für Medien, Digitale Infrastruktur und Netzpolitik abgewählt worden war. Der Auslöser: Es war bekannt geworden, dass er offenbar unter einem Pseudonym für das NPD-Organ "hier & jetzt" geschrieben hatte (vielsagend abgekürzt als H&J).

AfD sieht Homosexuelle sonst als perverse Kinderschänder

Zur Erinnerung: Wenn es um LGBTI-Themen ohne "böse" Muslime geht, teilt die AfD am liebsten aus. Hauptgegner sind besonders oft heiratende Homosexuelle, bei denen AfD-Werbung gerne Vergleiche mit sexuellem Kindesmissbrauch oder Sodomie zieht – wie im folgenden Facebook-Bild des heutigen Bundestagsabgeordneten Petr Bystron, der zur Ehe-Öffnung für Schwule und Lesben das Bild eines Kindes verwendete, das einen Delfin küsst.

Bild: Facebook

Im Bundestag setzt sich die AfD offen für die Aberkennung des Ehe-Rechts für Schwule und Lesben ein – bei gleichgeschlechtlichen Ehen verwenden Politiker der Partei gerne den Nazi-Begriff "Volkstod". Außerdem beklagt die Partei allen Ernstes, dass heterosexuelle Paare angeblich gegenüber Homo-Paaren benachteiligt seien, sie hofiert offen "Homo-Heiler" oder bringt LGBTI-Akzeptanz mit Geisteskrankheiten in Verbindung. Dabei wird auch gerne den Begriff "pervers" verwendet.

Gegenwärtig dringt die AfD mit Ausländerfeindlichkeit oder Hass auf sexuelle und geschlechtliche Minderheiten allerdings weniger durch, da alle Themen von der Corona-Krise überlagert werden – und die AfD außerhalb ihrer Kernkompetenz, dem Minderheitenhass, praktisch nichts zum politischen Diskurs beizutragen hat. Nur ab und zu versuchen AfD-Abgeordnete, Corona und Abwertung von LGBTI zu verbinden – etwa Vizeparteichefin Beatrix von Storch, die letzten Monat auf Twitter verkündete: "[W]ir brauchen Krankenschwestern und keine Diversity-Berater, Naturwissenschaftler und keine Gendergaga-Experten." Diese Vergleiche sind aber wohl selbst den eigenen Anhängern zu dämlich.



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