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24 Oct 2019 Berichte

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Mein Vater wollte mich töten, weil ich schwul bin

Seran M.* erwachte mit einem Messer am Hals. Sein Vater hielt die Klinge in der Hand, während er mit großen Augen seinen 17-jährigen Sohn anstarrte. «Er schrie: ‹Du bist schwul?, du bist schwul?› und zog die Klinge über meinen Hals», 

Seither sind über sechs Monate vergangen und M. führt nun ein neues, zweites Leben. Der 17-Jährige wohnt jetzt alleine, an einem neuen Ort im Kanton Bern. Doch an den Vorfall wird er täglich durch die Narben an Hals, Brust, Rücken und Armen erinnert. «Ich sehe sie im Spiegel oder wenn ich Selfies und Snaps mache. Sie werden mich für den Rest meines Lebens begleiten», so M

Seran M. wuchs in einem ländlichen Teil des Kantons Bern auf und ist, wie der Rest seiner Familie, irakischstämmig. «Ich habe meine Homosexualität immer vor meiner Familie versteckt.» Warum sein Vater, ein gläubiger Moslem, ausgerechnet an jenem Morgen auf ihn losging, weiß M. nicht.

Laut Pink Cross, dem Dachverband der schwulen und bi Männer*, kommt es in der Schweiz öfters vor, dass LGBT+-Menschen um ihre Sicherheit fürchten müssen. «Ich erinnere an den Vorfall vom Zürcher Niederdorf im September. Mann muss als Schwuler derzeit Angst haben, zusammengeschlagen zu werden», so Geschäftsleiter Roman Heggli. Heute würden sich Gays jedoch getrauen hinzustehen und ihre Diskriminierung publik zu machen, wie das Seran M.* auch tat. Er empfiehlt Menschen in ähnlichen Situationen, eines der verschiedenen Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen – etwa die Online-Beratung «Du bist du». Diese sei von Jugendlichen für Jugendliche, wo aber auch Psychologen im Hintergrund tätig seien.

Trotz den Narben gehe es ihm heute gut: «Ich bin jetzt ein freierer Mensch als vor dem Zwischenfall.» Ausserdem nehme er seit kurzem auch professionelle Hilfe in Anspruch – damit auch die seelischen Narben verheilen.

Kämpfen für die Zukunft 

Dennoch wird M.s Leben nie mehr dasselbe sein. Der Vater wurde von den Behörden in Gewahrsam genommen, die Kapo bestätigt dies. Das Verhältnis zur Familie ist seither schwierig. «Meine Mutter schämt sich dafür, was geschehen ist.» M. hat jedoch genug davon, sich zu schämen: «Ich habe mich lange genug versteckt, damit ist jetzt Schluss.» Aus diesem Grund veröffentlicht er seine Geschichte und seine Fotos auf Instagram. 

Er habe nicht nur positive Reaktionen erfahren: «Manche sagten, ich sei krank, weil ich homo sei, oder ‹du bist schwul, du hast das verdient›». M. findet, es brauche dringend eine Umdenken in der Gesellschaft. «Wir haben 2019 und mein Vater wollte mich töten, weil ich auf Männer stehe. Ich kann das einfach nicht akzeptieren.» Ausserdem wolle er auch andere Homosexuelle, die einen muslimischen oder islamischen Hintergrund hätten, ermutigen: «Holt euch Hilfe, wenn ihr euch outen wollt.» Das Wichtigste sei aber, sich nicht von der Familie unterdrücken zu lassen.



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