„Wie? Du stehst nicht auf Männer?“ - MenConnect

© Marty ein MenConnect Member

10 Oct 2019 Coming-Out

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„Wie? Du stehst nicht auf Männer?“

Teil 2/3

Mein wahres, echtes, beabsichtigtes und geplantes Coming Out – und der Grund, warum es mein Leben lang niemanden verwundert hatte, dass ich auf Jungs, bzw. Männer stehe – passierte in dem Moment, wo ich meinen Eltern mitteilte, dass ich mich selbst als Junge fühle. Denn bis dato hielt mich alle Welt für ein Mädchen (mich die Jahre bis zur Pubertät eingeschlossen). Ich bin nämlich transsexuell. Ein Transmann um genau zu sein.

Also könnte man sagen, ich habe mein Coming Out darüber, schwul zu sein (obwohl ja eigentlich bi), im selben Moment gehabt, wie darüber, ein Junge zu sein. Denn das war der Moment, wo meine Liebe zu Männern nicht mehr heterosexueller Natur war. Und das brachte die Leute plötzlich auf ganz andere Probleme. Probleme, auf die ich selbst nie im Leben von allein gekommen wäre: Wenn ich doch auf Männer stände, warum würde ich mich dann überhaupt umoperieren lassen wollen? Würde ich als Frau nicht viel leichter einen Mann finden? Natürlich würde ich das, einen Mann, der auf Brüste und das ganze weibliche Gedöns steht! Aber genau das wollte ich ja nicht! Mal davon abgesehen, dass ich mein Leben auch nicht danach ausrichten wollte, einen Kerl zu finden. Ich wollte einfach nur irgendwann einen Mann haben, der mich als eben solchen wahrnimmt und mich genau deswegen mag. Dass dieser Mann schwul sein müsste war nur die logische Konsequenz daraus.

Und was soll ich sagen, anders hätte ich auch meinen Freund niemals kennengelernt, mit dem ich mittlerweile sogar glücklich verheiratet bin. Ich kann mir kaum vorstellen, jemals einen heterosexuellen Mann kennen zu lernen, der meine Leidenschaften teilt.

Aber spulen wir etwas zurück. Nach meinem Trans-Coming-Out war nichts mehr so wie vorher. Nachdem immer die gleiche entsetzte Reaktion darauf folgte, wusste jeder am besten, wie ich zu leben habe. Oder noch viel schlimmer, die Meisten meinten genau zu wissen, dass ich gar kein Mann wäre, dass ich vielmehr bekloppt wäre. Leute, die ich nur vom Sehen her kannte, redeten mit anderen hinter meinem Rücken darüber, dass ein Junge sich nicht so verhalten würde wie ich. Selbst der eine oder andere von euch, der sich an den ersten Teil meines Berichts erinnert, denkt jetzt sicher, dass die im Grunde doch alle Recht hatten. Aber nein, so ist es nicht. Ein Mann zeichnet sich nämlich nicht dadurch aus, dass er sich mit anderen prügelt und am liebsten nur Videospiele spielen würde. Genauso wenig zeichnet sich ein Mädchen dadurch aus, dass es rosa trägt, wegen jeder Kleinigkeit heult und nichts wichtiger findet, als sich zu schminken. Richtig ist, dass ich vieles mit Mädchen gemeinsam habe, die dem Stereotyp entsprechen, doch das, was mich zu der Erkenntnis brachte, ein waschechter Mann zu sein, ist die Tatsache, wie unwohl ich mich in meinem Körper fühlte.  

Das lässt sich sogar ganz einfach veranschaulichen. Stellt euch vor, ihr zieht euch ein Hemd oder T-Shirt an und man sieht deutlich einen Busen. Oder noch schlimmer, ihr wollt ins Freibad und könnt nicht bloß eine Badehose tragen, weil obenrum zwei Brüste vor euch herschaukeln, die ihr, wenn euch die verstörten Blicke der anderen stören, so gut wie möglich versucht zu verstecken. Aber wie versteckt man die? Sie sind einfach da und das ist grauenvoll!

Genauso ist es mit dem Penis. Stellt euch vor, ihr geht aufs Klo, wollt ihn rausholen um zu pinkeln und da ist nichts. Ihr müsst euch hinsetzen. Auch im Wald. In die Brennnesseln. Na ja, dass da kein Penis ist, kann man in der Öffentlichkeit verbergen, aber Brüste lassen sich nur unter Bandagen wegdrücken. Und will man das für den Rest seines Lebens? Entweder mit Busen rumlaufen oder sich Blutergüsse holen beim Versuch, sie zu verstecken?

Jedes weitere Zeichen an Weiblichkeit, das mit dem Beginn der Pubertät auftrat, zerstörte mich mehr. An dem Tag, als ich das erste Mal meine Tage bekam ging die Welt für mich dann völlig unter. Ich weiß noch, dass ich eigentlich mit einer Freundin zelten wollte, dann aber so verstört war, dass ich mich den restlichen Tag nur noch in meinem Zimmer verbarrikadierte und weinte. Jedes „Etwas“, das mich weiblicher machte, verband ich mit dem erwachsen werden. Und deswegen sperrte ich mich auch so dagegen, erwachsen zu werden.

Dazu kommt dann das innere Gefühl. Ein Gefühl, dass man einfach als Mann wahrgenommen werden will. In meinem Fall zwar ein Mann, der als Kind mit Puppen gespielt hat, aber ein Mann, der auch mit „Herr“ angesprochen werden möchte und mit männlichem Vornamen. Der es als Beleidigung auffasst, wenn er auf der Straße von wildfremden Leuten gefragt wird, ob er ein Mann oder eine Frau wäre. Ich meine, hallo, geht’s noch? Haben die Leute keine anderen Probleme? Ich gehe auch nicht zu ‘nem wildfremden Rollstuhlfahrer und frage ihn, ob er wirklich nicht laufen kann oder ob er nur zu faul zum Gehen ist. Das wäre genauso unverschämt und für mich vollkommen irrelevant.  


Fortsetzung Folgt....


Weitere Artikel:

„Wie? Du stehst nicht auf Männer?“ Teil 1

„Wie? Du stehst nicht auf Männer?“ Teil 3



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