„Wie? Du stehst nicht auf Männer?“ - MenConnect

© Marty

07 Oct 2019 Coming-Out

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„Wie? Du stehst nicht auf Männer?“

Teil 1/3

In meinem Leben läuft einiges anders. Immer schon. Sei es mein Verhalten in meiner Kindheit oder Jugend, seien es meine Leidenschaften, die ich im Laufe meines Lebens entwickelt hab (zum Beispiel die Liebe zu selbstgestrickten Armstulpen, die mir seither alle Welt versucht auszureden) oder meine Denk- und Handlungsweise; es ist anders als es normale Menschen tun.

Und genauso war es auch bei meinem Coming Out, von dem ich euch in den nächsten Teilen erzählen möchte :-) Allerdings muss ich vorweg erwähnen, dass ich kein großer Fan von offiziellen Outings bin. Ich finde nicht, dass „schwul sein“ oder lesbisch oder was auch immer etwas ist, das man anderen ganz offiziell mitteilen müsste. Denn so stimmt man nur der Allgemeinheit zu, dass es etwas Schlimmes wäre. Etwas, vor dem man alle warnen müsste, besonders die Eltern oder die Freunde.

So hielt ich es, seit ich mich das erste Mal in einen Mann verguckte. Es war Michael J. Fox, der Schauspieler aus Zurück in die Zukunft. Ich weiß nicht, ob die jüngere Generation unter euch damit noch etwas anfangen kann, aber als ich klein war, war das der Hit. Es war für mich nichts Besonderes – klar, ich meine, für mich war es schon etwas Besonderes, dieser Typ verwandelte meine Beine in Wackelpudding, wenn er auf der Mattscheibe erschien und ich wurde jedes Mal direkt rot, wenn ihn jemand erwähnte – Aber es war nichts, was ich jetzt als Sensation verkaufen müsste.  

Als Kind habe ich meistens mit Mädchen gespielt. Natürlich wurde auch mal die eine oder andere Bude mit Jungs aus der Nachbarschaft gebaut, aber die wollten eben nicht mit Puppen oder Barbies spielen, ich aber schon. Also wurden Mädchen meine Freunde (mit denen ich wohlgemerkt auch Jungskram machen konnte wenn wir wollten… wollten wir aber eher selten ;-)).  

Auch später, als ich älter wurde, blieb ich lieber meinen teilweise jüngeren Freundinnen treu. Mit Gleichaltrigen konnte ich nichts anfangen. Überhaupt fand ich alles doof, das mit dem Älterwerden zu tun hatte. Ich hatte kein Interesse daran, in Diskos tanzen zu gehen, noch dazu zu Musik, die mir nicht gefiel, und ich hatte auch keine Lust darauf, mit ihnen über die Jungs zu reden, auf die sie standen oder übers Schminken oder Klamotten. Und auf der anderen Seite war es genauso, das was die Jungs in meinem Alter interessierte, fand ich furchtbar. Als gäbe es nichts anderes als Videospiele zu spielen und sich vor den Mädels so cool wie irgend möglich zu geben. Schüttel.

Mein Interesse galt, seit ich denken kann, dem Nachspielen und Weitererfinden von Fernsehserien oder Hörspielen. Für Jugendliche in meinem Alter war das viel zu uncool. Meine teilweise bis zu 4 Jahre jüngeren Nachbar-Mädels hingegen machten bei jedem Scheiß mit. Wir malten die Grundrisse von Häusern auf die Straße und wohnten darin; wir erfanden unsere eigenen Tänze und führten sie vor versammelter Nachbarschaft auf; und wir blieben draußen bis es dunkel war, um uns auf die Wiese zu legen und die Sterne zu beobachten, wobei wir uns ausdachten, was da draußen wohl gerade passiert.

Überhaupt habe ich mir im Laufe meines Lebens antrainiert, alles Mögliche der Phantasie zu überlassen.

Nun ja, irgendwann wurde dann doch auch ich mal älter und fing tatsächlich an, mich für andere zu interessieren. Also, auf eine andere Weise als bisher. Und wie bereits erwähnt, machte ich keinen Hehl daraus, wie überirdisch toll ich Marty McFly auf einmal fand. (Übrigens: Marty ist tatsächlich mein richtiger Name, aber dazu später mehr) 

Und das änderte sich auch nicht, als ich mit 19 Jahren meine erste Freundin bekam. Zuvor verliebte ich mich ja wie selbstverständlich in Jungs, worüber sich mittlerweile auch niemand mehr sonderlich wunderte. Egal, ob Popstars, Schauspieler oder Jungs aus der Nachbarschaft, ich fühlte mich zu ihnen hingezogen. Und wäre das Internet damals schon so weit gewesen wie heute, sicher auch zu den Jungs aus Foren, Chats und Communities. Wobei ich natürlich betonen möchte, dass ich mich nicht in jeden verliebt habe, der mir über den Weg lief. Bei weitem nicht.  

Als ich allerdings dieses Mädchen „anschleppte“ kamen erste fragende Blicke. Sätze wie „Wie? Du stehst gar nicht auf Männer?“ waren keine Seltenheit. Meine Antwort: „Nee, anscheinend nicht“ war dann sozusagen mein Coming Out vor anderen Menschen. Es passierte ganz nebenbei, völlig unspektakulär, so als würde ich meinen Angehörigen mitteilen, dass ich mich kürzlich dazu entschlossen hätte, Jura zu studieren. Was ich natürlich nie wollte, dafür fehlte mir schlichtweg der Grips.

Aber ich muss zugeben, dass es die erste Zeit für mich genauso merkwürdig war, auf einmal für ein Mädchen zu schwärmen. Sie war so gar nicht wie ein Junge. Doch die Tatsache, dass ich ganz wirklich für sie schwärmte, zeigte mir, dass ich offenbar offen für beides bin. So fand ich also mit 19 Jahren heraus, dass meine sexuellen Vorlieben in mehrere Richtungen gehen.


Weitere Artikel:

„Wie? Du stehst nicht auf Männer?“ Teil 2

„Wie? Du stehst nicht auf Männer?“ Teil 3



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