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05 Oct 2019 Berichte

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Jeder vierte Deutsche hat Probleme mit schwulen Küssen

In den letzten vier Jahren ist die Akzeptanz von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in der Europäischen Union gestiegen. Das ist eines der Ergebnisse der neuesten Eurobaromter-Umfrage, die am Montag von der Europäischen Kommission vorgestellt wurde. Die Europäische Gemeinschaft bzw. die Europäische Union veröffentlicht seit 1973 regelmäßig derartige repräsentative Umfragen zu wichtigen Themen und schlüsselt die Ergebnisse nach Mitgliedsländern auf.

EU-weit erklären 72 Prozent der Befragten, dass nichts an gleichgeschlechtliche Beziehungen auszusetzen sei. Fast jeder Vierte hat allerdings etwas an gleichgeschlechtlichen Beziehungen auszusetzen

Die Akzeptanz ist EU-weit sehr ungleich verteilt. Am wenigsten Probleme mit Homo-Paaren haben die Schweden (95 Prozent), die Niederländer (92 Prozent) und die Dänen (90 Prozent). Deutschland liegt mit 86 Prozent auf Rang sechs. Am LGBTI-feindlichsten sind die Slowakei (29 Prozent), Lettland (25 Prozent) und Bulgarien (20 Prozent).

Seit der letzten Umfrage 2015, bei der diese Frage gestellt worden war, sind die Zahlen EU-weit um fünf Prozent angestiegen. Besonders hoch ist der Anstieg in Deutschland und Polen – in beiden Ländern stieg die Zahl derjenigen, die keine Probleme mit Homo-Paaren haben, um zwölf Prozentpunkte. Die jeweiligen Befragungen wurden allerdings im Mai durchgeführt, also kurz bevor Regierung und Kirche in Polen ihren öffentlichen Widerstand gegen LGBTI-Rechte deutlich verstärkten

Auch gibt es acht Länder, in denen die Akzeptanz zurückgegangen ist. Am größten ist der Rückgang in Bulgarien (minus sieben Prozent) und der Slowakei (minus vier Prozent). Einen leichten Rückgang gab es außerdem auch in Italien, Österreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei – also allesamt Länder mit starken rechtspopulistischen oder rechtsextremistischen Parteien im Parlament.

Große Mehrheit für Ehe für alle 

Mehr als zwei Drittel der Europäer (69 Prozent) sprechen sich für eine EU-weite Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben aus. Deutschland vermeldet dabei den höchsten Anstieg: Vor vier Jahren wollten "nur" 66 Prozent Homo-Paaren das Ehe-Recht gewähren, heute sind es 84 Prozent, was einem Anstieg von 18 Prozentpunkten entspricht. In Polen stieg die Zustimmung für die Ehe für alle um 17 Prozentpunkte auf – immer noch moderate – 45 Prozent. Zweistellige Anstiege in der Zustimmung gab es außerdem in Großbritannien, Portugal, Estland, Luxemburg und Finnland. In sechs Ländern nahm die Zustimmung jedoch ab – am meisten in Bulgarien (minus neun Prozent) und in Ungarn (minus sechs Prozent).

Auch die Akzeptanz von homosexuellen Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit steigt an. Allerdings haben EU-weit nur 49 Prozent keinerlei Probleme, wenn zwei Männer sich küssen. Deutschland liegt hier nur knapp über dem Durchschnitt (53 Prozent). Gleichgeschlechtliche Küsse unter Frauen werden dagegen in Deutschland von 60 Prozent akzeptiert, verschiedengeschlechtliche Küsse von 82 Prozent.

In Deutschland hatte die Akzeptanz von schwulen Küssen vor vier Jahren nur bei 30 Prozent gelegen – der Anstieg um 23 Prozent ist EU-weit der höchste. In Ungarn fühlen sich demgegenüber nur noch 16 Prozent wohl, wenn Schwule sich öffentlich küssen – das sind zehn Prozent weniger als 2014.

Die Zahlen zeigen auch, dass viele Europäer – und auch viele Deutsche – noch immer größere Probleme mit Trans- oder Inter-Rechten haben als mit Homo-Rechten. So befürworten zwar 70 Prozent der Deutschen, dass Transpersonen ihre Geschlechtsangabe in ihren Papieren ändern dürfen (EU-Schnitt: 59 Prozent). Nur 50 Prozent der Deutschen geben allerdings an, dass sie sich in Gegenwart eine Transperson wohlfühlen würden – damit liegt die Bundesrepublik unter dem EU-Schnitt (53 Prozent).

Deutsche für Erwähnung von Homosexualität an Schulen

Große Zustimmung der Deutschen gibt es trotz gegenteiliger AfD-Kampagnen beim Thema Homosexualität an Schulen: 82 Prozent befürworten, dass im Unterreicht auch Vielfalt mit Bezug auf sexuelle Orientierung gelehrt wird. Höhere Zustimmungsraten gibt es EU-weit nur in Schweden, den Niederlanden, Finnland und Spanien. Bei den Themen Trans- und Intersexualität liegt die Zustimmung in Deutschland mit je 72 Prozent niedriger.

Insgesamt zeigen die Zahlen ein Ost-West-Gefälle, das teilweise durch weiter abnehmende Akzeptanz in Ländern wie Bulgarien und Ungarn noch verschärft wird. In den nächsten Jahren kommt erschwerend hinzu, dass mit dem geplanten Austritt von Großbritannien aus der EU voraussichtlich ein äußerst LGBTI-freundliches Land die Staatengemeinschaft verlässt und alle Beitrittskandidaten (Albanien, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und Türkei) relativ LGBTI-feindlich eingestellt sind.

Für das Eurobarometer wurden pro Land rund 1.000 Menschen befragt. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ, die Fehlertoleranz beträgt bis zu drei Prozentpunkte.


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