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03 Sep 2019 Berichte

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Deutschland: Krankenkasse zahlt „Pille gegen HIV-Infektion“

Seit dem 1. September wird die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), die bei richtiger Einnahme eine HIV-Infektion verhindern kann, in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bezahlt. Damit hat Jens Spahn, der offen schwuler Gesundheitsminister unseres Nachbarlandes, eines seiner Versprechen eingelöst.


Wer ein erhöhtes HIV-Risiko hat, bekommt die PrEP von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt

So bezahlen die GKV bei Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, die Kosten für das PrEP-Medikament und die Begleituntersuchungen. Das entsprechende Rezept dürfen derzeit nur HIV-Spezialisten oder Ärzte mit einer ähnlichen Qualifikation verschreiben.

Als Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko gelten unter anderem um schwule Männer und Trans-Personen, die Analverkehr ohne Kondom praktizieren oder bei denen innerhalb der letzten zwölf Monate eine sexuell übertragbare Krankheit festgestellt wurde.

Eine weitere Risikogruppe, die Anspruch auf die PrEP hat, sind Menschen in Partnerschaften, bei denen ein Partner HIV-positiv ist und dieser keine entsprechende antiretrovirale Therapie (ART) bekommt oder mit dieser erst angefangen hat. Die PrEP kann aber auch nach einer individuellen Prüfung genehmigt werden.


Durch die PrEP auf Rezept sollen HIV-Infektionen reduziert und Kosten gesenkt werden

Das Ziel des Gesetzgebers ist es, die Zahl der HIV-Neuansteckungen zu senken. „PrEP ist ein wirksamer Schutz gegen HIV. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass die HIV-Infektionszahlen durch PrEP deutlich gesenkt werden können“, so Spahn. Das Gesundheitsministerium wird nach eigenen Angaben die Wirkung bis Ende 2020 evaluieren.

Pro Jahr und Patient kostet die PrEP in Deutschland etwa 800 Euro, eine HIV-Therapie hingegen im Durchschnitt etwa 20.000 Euro. Unterm Strich kann die Tablette zum Schutz vor dem HI-Virus dem Staat also jede Menge Geld sparen.


Für die Deutsche Aids-Hilfe ist die neue Regelung ein Meilenstein – mit Verbesserungspotential

In Deutschland herrscht, anders als in Österreich, Versicherungspflicht: Man kann wählen, ob man zu einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse geht – private Kassen entscheiden hier selbst, ob sie die PrEP vergüten. Hier zeige sich „zurzeit noch ein uneinheitliches Bild“, so die Deutsche Aids-Hilfe (DAH). Sie fordert alle Privaten Krankenversicherungen auf, ebenfalls die Kosten für die PrEP zu übernehmen.

Nicht nur deshalb ist für DAH-Vorstand Björn Beck die Einführung der PrEP als Kassenleistung ein Meilenstein: „Eine weitere Möglichkeit, sich vor HIV zu schützen, wird leichter zugänglich – unabhängig vom Geldbeutel. Jetzt geht es darum, dass auch alle von PrEP erfahren, die sie brauchen, und dass ausreichend geeignete Praxen zur Verfügung stehen.“

Denn dass nur HIV-Schwerpunktärzte oder Ärzte mit einer entsprechenden Qualifikation die PrEP verschreiben können, wird der DAH zufolge zu Versorgungsengpässen führen, zum Beispiel in kleineren Städten und auf dem Land. „Wir brauchen eine Lösung, die lange Wege vermeidet und Überlastung von Arztpraxen vorbeugt. Die fachliche Qualifikation lässt sich auch auf leichtere Weise sicherstellen“, so Beck.
Eine sinnvolle Ergänzung im Kampf gegen HIV

Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen ein, das sie vor einer Ansteckung schützt. Das Medikament verhindert, dass HIV sich in Körperzellen festsetzen kann, wenn es zu einem Kontakt mit dem Virus kommt.

Die PrEP wird dabei andere Schutzmöglichkeiten dabei nicht ablösen, sondern ergänzen. Sie ist somit neben dem Kondom und der Schutzwirkung einer HIV-Therapie nur eine von drei Methoden, um beim Sex eine HIV-Übertragung zu vermeiden.

Unverzichtbar ist dabei eine umfassende medizinische Begleitung. Dazu gehören regelmäßige HIV-Tests und die Überprüfung der Nierenwerte. Außerdem sind im Rahmen der PrEP-Versorgung auch routinemäßige Tests auf andere sexuell übertragbare Infektionen wichtig, damit diese frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Allerdings werden diese Tests noch nicht automatisch im Rahmen der PrEP von den Krankenkassen übernommen, kritisiert Beck.


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